Eduardo Cintra Torres / Samuel Mateus (Hrsg.)

From Multitude to Crowds: Collective Action and the Media

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2015 (Passagem 8); 267 S.; 51,95 €; ISBN 978-3-631-66802-3
Die Beiträge dieses Bandes gehen in interdisziplinärer Perspektive der Frage nach, welche Rolle unterschiedliche Formen von (Massen‑)Medien und deren Anwendung für die Bildung, die Aufrechterhaltung und den Erfolg sozialer Bewegungen spielen. Medien, und hier insbesondere die sozialen Netzwerke, so betonen die Herausgeber in ihrer Einleitung, kommt dabei nicht bloß eine Berichtsfunktion zu – vielmehr tragen sie entscheidend zu Sensibilisierung, Rekrutierung und Mobilisierung von (potenziellen) Anhänger_innen bei und erlauben auch auf die Distanz die gestaltende Teilhabe an Protesten, weswegen sich in diesem Zusammenhang die Verwendung des Begriffes „Revolution 2.0“ (12) anbietet. Neben theoretischen und historischen Studien geht es in den Beiträgen des Bandes auch um konkrete Medienstrategien und das Verhältnis von sozialen Bewegungen und Massenprotesten. Im Feld der Medienstrategien geht Gustavo Cardoso der Frage nach dem Einfluss von Social Media nach, insbesondere dem Aspekt, was das spezifisch Neue an Facebook, Twitter und ihren Äquivalenten in China und Russland ist. Zur Beantwortung der Frage haben Cardoso und sein Team mehr als 6.000 Online‑Fragebögen aus siebzehn Ländern ausgewertet. Ihr Fazit: Durch die Allgegenwärtigkeit von sozialen Netzwerken und den ungebrochen intensiven Gebrauch dieser Netzwerke begreifen sich die Nutzer immer stärker als Teil einer Community, eben ihres Netzwerkes. Somit entwickeln sie eine Kultur der Zugehörigkeit, was ihre Teilhabebereitschaft an kollektiven Protestformaten steigert. Was das Verhältnis von sozialen Bewegungen und Massenprotest anbelangt, so geht Ece Baykal Fide mit Blick auf die Gezi‑Park‑Bewegung der Frage nach, wie es im Rahmen der Proteste dazu kam, dass sich viele kleine Gruppen über den Protest der Bebauung des Parks zusammengefunden haben. Im Zuge der Befragung einiger zentraler Figuren der heterogenen Protestbewegung kommt sie dabei unter anderem zu dem Schluss, dass der Zusammenschluss immer prekär geblieben ist. Das negative Framing des Protests in den Mainstreammedien habe dazu ebenso beigetragen wie die strategische Uneinigkeit in den verschiedenen am Protest beteiligten Gruppen.
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Rubrizierung: 2.222.612.632.655.42 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Eduardo Cintra Torres / Samuel Mateus (Hrsg.): From Multitude to Crowds: Collective Action and the Media Frankfurt a. M. u. a.: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40150-from-multitude-to-crowds-collective-action-and-the-media_47941, veröffentlicht am 10.11.2016. Buch-Nr.: 47941 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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