Sarhan Dhouib (Hrsg.)

Gerechtigkeit in transkultureller Perspektive

Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2016; 338 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 978-3-95832-081-9
Die Frage nach Gerechtigkeit ist eine Grundfrage des Zusammenlebens und daher für viele Wissenschaften virulent. Hinzu tritt die praktische Relevanz, die sowohl die unterschiedlichen kulturellen Prägungen wie die konkreten Erfahrungen und politischen Entwicklungen umfasst. Damit entsteht ein Bündel von Themen und Perspektiven, die in diesem Sammelband auch zur Sprache kommen. Näherhin sind vier Vorentscheidungen dominant. Es handelt sich erstens um eine deutsch‑arabische Zusammenarbeit, die sich zweitens in einem dialogischen Textprinzip (mit Beitrag und Kommentierung aus dem jeweils anderen Kontext) widerspiegelt. Schwerpunkt ist drittens die transitionelle Gerechtigkeit, die viertens sowohl theoretisch wie anhand konkreter Fallstudien (Südafrika, Marokko, Tunesien) profiliert wird. Exemplarisch sollen hier zwei besonders eindrückliche Gedanken vorgestellt werden: Hans Jörg Sandkühler analysiert das Rückwirkungsverbot, das in den Nürnberger Prozessen teilweise außer Kraft gesetzt wurde, um schwere Kriegsverbrechen juristisch ahnden zu können. Soll dieser Vorgang weder als Siegerjustiz gelten noch die Geltung des positiven Rechts unterlaufen, dann muss erstens solche Ausnahme beschränkt werden – hier rekurriert Sandkühler auf die Radbruch‘sche Formel. Und zweitens muss ein universales Moralbewusstsein entwickelt werden, was im Menschenrechtsdiskurs passiere. Mongi Serbaji präsentiert Ideen für eine weniger ungerechte Welt, wobei für ihn die Anerkennung des anderen die Grundlage der Gerechtigkeit darstellt. Damit diese Anerkennung aber nicht in Pluralismus und Relativismus versinkt, plädiert er für eine hermeneutische Offenheit, also für einen Prozess des Verstehens, der im Ausgang von eigenen Prägungen und konkreten Unrechtserfahrungen zu Verbesserungen führt. Zwar moniert Felix Heidenreich in seinem Kommentar, dass dieses Konzept zu leichtgängig formuliert worden sei und die Kämpfe um Anerkennung (auf dem Weg zur Horizontverschmelzung) hätten stärker berücksichtigen sollen, dennoch kommt er zu dem Schluss, dass es sich um ein Konzept handelt, an dem weitergedacht werden sollte.
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Rubrizierung: 2.22.212.232.674.15.42 Empfohlene Zitierweise: Volker Stümke, Rezension zu: Sarhan Dhouib (Hrsg.): Gerechtigkeit in transkultureller Perspektive Weilerswist: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/39723-gerechtigkeit-in-transkultureller-perspektive_48072, veröffentlicht am 02.06.2016. Buch-Nr.: 48072 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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