Patrick Ziltener (Hrsg.)

Handbuch Schweiz - Japan/Manuel des relations nippo-suisses. Diplomatie und Politik, Wirtschaft und Geschichte, Wissenschaft und Kultur. Band 1: Vom Beginn gegenseitiger Beobachtung bis 1945; Band 2: Von 1945 bis zur Gegenwart

Zürich: Chronos Verlag 2010; 1.085 S.; 44,- €; ISBN 978-3-0340-0993-5
Das umfangreiche Handbuch dokumentiert mehrere Jahrhunderte schweizerisch-japanischer Beziehungen, wobei der Schwerpunkt auf der Zeit seit den Meiji-Reformen in der Mitte des 19. Jahrhunderts liegt. Der Herausgeber hat unzählige Dokumente zusammengetragen und präsentiert sie in chronologischer Ordnung teils im Volltext, teils in Auszügen, in einigen Fällen sogar als Faksimile. Sie enthalten Schilderungen der Erfahrungen, die Schweizer Diplomaten, Kaufleute, Missionare und Künstler in Japan machten. Dabei wird eine große Bandbreite an Einstellungen offenbar: Von unbelehrbaren Rassisten bis hin zu neugierigen Beobachtern, die für die Eindrücke einer völlig fremden Welt offen waren, ist alles vertreten. Trockene Berichte über die Entwicklung der Geschäfte Schweizer Firmen wechseln sich ab mit farbigen Schilderungen japanischer Kunst. Immer wieder streut der Herausgeber, der als Privatdozent an der Universität Zürich lehrt, längere Einführungen und Zusammenfassungen ein. Es verwundert nicht, dass es in den Dokumenten vorwiegend um Wirtschaft und Handel geht. Machtpolitische Aspekte gab es zwischen Japan und der Schweiz selten zu verhandeln. Gleichwohl führte die Schweizer Haltung gegen die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg und davor zu einer deutlichen Verschlechterung der bilateralen Beziehungen. Die Berichte von Diplomaten und Wirtschaftsführern bestätigen dies auf sehr anschauliche Weise. Interessant sind dabei besonders die Texte über die Rolle der Schweiz bei der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Asien. Die Kontakte zwischen Japan und den USA liefen am Ende hauptsächlich über Bern. Mithilfe der guten Dienste der Schweiz wurde so letztlich die Kapitulation Japans verhandelt. Die Beziehungen wurden vielleicht auch deshalb nach dem Krieg sehr eng und vielfältig, trotz teils scharfer Konkurrenz auf einigen Industriesektoren. Insgesamt sind die beiden Bände letztlich ebenso sehr eine Dokumentation der bilateralen Beziehungen wie eine Verlaufsgeschichte der – vor allem – schweizerischen Wahrnehmung Japans und des Verständnisses für dieses ferne Land. Der Leser erhält einen beeindruckenden Überblick über ein bilaterales Verhältnis, das nicht eben im Zentrum der Weltpolitik steht.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.2 | 2.68 | 2.5 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Patrick Ziltener (Hrsg.): Handbuch Schweiz - Japan/Manuel des relations nippo-suisses. Zürich: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/31412-handbuch-schweiz---japanmanuel-des-relations-nippo-suisses_37391, veröffentlicht am 24.11.2010. Buch-Nr.: 37391 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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