Wolfgang Schroeder / Arijana Neumann (Hrsg.)

Politik und Regieren in Hessen

Wiesbaden: Springer VS 2016; VII, 388 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-17302-3
Hessen weise nicht nur die höchste Studienberechtigtenquote und die bei den letzten Wahlen höchste Wahlbeteiligung aller Bundesländer auf, es sei zudem das Land mit dem vierthöchsten BIP. Die Herausgeber zitieren in ihrer Einleitung gleich zu Beginn denn auch die (also nur bedingt stimmenden) Parolen „Hessen vorn!“ und „An Hessen kommt keiner vorbei!“ (1). Dabei sei Hessen kein einfaches Land, strukturschwache Regionen im Norden stünden einer wirtschaftlich überaus leistungsfähigen Region um Frankfurt und Darmstadt gegenüber. Und auch wenn Hessen – im Unterschied zu anderen Ländern – historisch gewachsen sei, so sei eine homogene politische Kultur nicht gegeben, was sich unter anderem in der Härte der dort ausgetragenen politischen Auseinandersetzungen widerspiegele. Die vier Bereiche dieser Regierungslehre erlauben einen profunden Einstieg in ein tiefergehendes Verständnis der Verfassung und des politischen Systems, der Parteienlandschaft und nicht zuletzt der Interessenvertretung in Hessen. Walter Mühlhausen übernimmt die Vorstellung dessen, was in der Überschrift seines Beitrages als „Rotes Hessen“ (251) firmiert: Das Bundesland „wurde als Bonner Gegenmodell annonciert, als sozialdemokratische Alternative zur Kanzlerdemokratie Adenauers“ (252), heißt es da mit Blick auf die Situation der 1960er‑Jahre. Georg August Zinn stand bei seiner Wahl zum Ministerpräsidenten 1950 am Beginn einer langen Ära und zudem einer erfolgreichen Reihe sozialdemokratischen Regierens, das in seinem Erfolg wesentlich an die jeweilige Person des Ministerpräsidenten gebunden war. Das ist seit 1999 anders, dem Jahr, von dem an die CDU in Hessen regiert. Pitt von Bebenburg stellt das „Schwarze Hessen“ (271) als Gegenreaktion zu dem zum damaligen Zeitpunkt in Bonn regierenden rot‑grünen Bündnis vor. Wesentliche Stilelemente der Regierungen von Roland Koch und Volker Bouffier seien eine „teilweise radikal“ neoliberal ausgerichtete Wirtschaftspolitik einerseits sowie andererseits politische Rhetoriken gewesen, die sich um die Themen Sicherheit und Heimat drehten. Nicht zuletzt – das macht die Konstellation des Kabinetts Bouffier II seit 2014 deutlich, in dem die CDU mit den Grünen regiert – ist Hessen heute wieder ein „Experimentierfeld für die Bundesrepublik Deutschland“ (284).
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Rubrizierung: 2.3252.212.222.23 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Wolfgang Schroeder / Arijana Neumann (Hrsg.): Politik und Regieren in Hessen Wiesbaden: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40189-politik-und-regieren-in-hessen_41076, veröffentlicht am 08.12.2016. Buch-Nr.: 41076 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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