Jens Tenscher / Henrike Viehrig (Hrsg.)

Politische Kommunikation in internationalen Beziehungen

Berlin: Lit 2007 (Studien zur politischen Kommunikation 2); 233 S.; brosch., 16,90 €; ISBN 978-3-8258-0279-0
Ausgehend von der Beobachtung, dass die Forschung zur politischen Kommunikation ein Stiefkind sowohl der Politikwissenschaft als auch besonders ihrer Teildisziplin Internationale Beziehungen ist, soll dieser Band als Bestandsaufnahme und Anstoß zur Debatte verstanden werden. Mit der politischen Kommunikation werde sich mit der Eigenlogik medialer Öffentlichkeiten und dem Einfluss von Kommunikationsformen auseinandergesetzt, schreiben die Herausgeber, bislang geschehe dies jedoch primär in einem nationalstaatlichen Rahmen. Dabei könnte die Darstellungsweise der Medien bei internationalen Themen mit ihren breit gestreuten internationalen Adressaten gar wirkungsmächtiger sein als die nationale politische Kommunikation. Denn sei erst einmal die Hürde überwunden, für „ferne“ internationale Themen Interesse zu wecken, träfen mediale Botschaften auf ein relativ unvollständig informiertes Publikum und könnten eine größere „Hebelwirkung“ (18) entfalten. Die Selektivität bei der Berichterstattung über globale Krisen sehen Tenscher von der Universität Koblenz-Landau und Viehrig von der Universität Köln dabei vor allem pragmatisch. Denn gerade als Spiegel und Indikator bestehender Machtsstrukturen sei die globale Medienpräsenz von Staaten sehr aufschlussreich. In den Beiträgen des Bandes werden Anschlussmöglichkeiten zwischen dem Fach Internationale Beziehungen – vornehmlich der konstruktivistischen Forschungsrichtung – und der politischen Kommunikation dargestellt. Neben normativ-evaluativen Arbeiten zur Qualität von Öffentlichkeit werden sicherheitspolitische Themen wie der Terrorismus aufgegriffen, außerdem mit dem Bereich der öffentlichen Diplomatie auch die Forschung zu Medienstrategien als Mittel der Außenpolitik. Bei allem Perspektivenreichtum wird die internationale politische Kommunikationsforschung in diesem Band vor allem als Strategie mächtiger und westlicher „Sender“ medialer Botschaften ausgelotet. Die Frage nach dem Potenzial von Gegenöffentlichkeiten und subversiven Medienstrategien gegen herrschende Machtsstrukturen wird leider nicht gestellt.
Tine Hanrieder (CTH)
M. A., wiss. Assistentin, Geschwister-Scholl-Institut, LMU München.
Rubrizierung: 4.1 | 4.22 | 2.63 | 2.61 | 2.62 | 4.41 | 2.22 Empfohlene Zitierweise: Tine Hanrieder, Rezension zu: Jens Tenscher / Henrike Viehrig (Hrsg.): Politische Kommunikation in internationalen Beziehungen Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/28587-politische-kommunikation-in-internationalen-beziehungen_33693, veröffentlicht am 08.07.2008. Buch-Nr.: 33693 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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