Dieter Klumpp / Klaus Lenk / Günter Koch (Hrsg.)

Überwiegend Neuland. Positionsbestimmungen der Wissenschaft zur Gestaltung der Informationsgesellschaft

Berlin: edition sigma 2014; 206 S.; 17,90 €; ISBN 978-3-8360-3599-6
Die Debatte über die Informationsgesellschaft sei von einer „nicht mehr steigerbaren Partikularisierung“ (9) geprägt, begleitet von Unübersichtlichkeit, Halbwissen, sprachlichen Verwirrungen und „wechselseitigem Nichtverstehen“ (10) zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen und wissenschaftlichen Disziplinen, schreiben die Herausgeber. Sie geben mit diesem Band einen – im Sinne einer Zwischenbilanz beabsichtigten – Überblick über die Positionsbestimmungen zu Stand und Perspektiven der Informationsgesellschaft, der sich über die Themenbereiche E‑Government, Open Government und Open Data erstreckt und damit verwaltungs‑, sozial‑ und rechtswissenschaftliche Aspekte umfasst. Arthur Winter berichtet über seine Erfahrungen als Leiter der Sektion für Informationstechnologie im österreichischen Bundesministerium für Finanzen bei der Umgestaltung von Verwaltungsprozessen in Richtung einer vernetzten Verwaltung. Als wichtigste Voraussetzung, um das Potenzial der Informationstechnologien für die Optimierung der Verwaltungsorganisation zu nutzen, nennt er die Überwindung des Zuständigkeitsdenkens. „Noch immer herrscht vielfach das Denken vor, dass Daten das Eigentum bestimmter Behörden sind.“ (32) Dies stehe organisationsübergreifenden Anwendungen, wie sie etwa mit der Idee der One‑Stop‑Shop‑Portale verfolgt werden, entgegen. Dennoch gelte Österreich bei der Umsetzung einer vernetzten Verwaltung als innovativ. Hingegen stecke Deutschland bei der Förderung von Open Government (Jörn von Lucke) und Open Data (Bernd Holznagel und Wolfram Felber) noch weitgehend in den Anfängen. In weiteren Beiträgen werden die Entwicklungen auf EU‑Ebene sowie in China und Lateinamerika beleuchtet. Interessant ist darüber hinaus der Beitrag von Wolfgang Coy, der das generelle Thema von Ethik und Verantwortung in Bezug auf autonom agierende Maschinen aufwirft. Viele Fragen, etwa die, ob es im Falle automatisch geführter Fahrzeuge überhaupt noch verantwortliche Fahrer gibt, seien ungelöst. Diesen Aspekt greift auch Thomas R. Köhler in seinem Beitrag über Fahrassistenzsysteme und autonomes Fahren auf und bemängelt, dass „[w]eder im nationalen noch im internationalen Akteursspektrum […] bisher Ansätze für eine gemeinsame Verabredung zur Bestimmung notwendiger Rahmenbedingungen für autonomes Fahren zu erkennen [sind]“ (119).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.222.2632.652.683.52.322.212.4 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Dieter Klumpp / Klaus Lenk / Günter Koch (Hrsg.): Überwiegend Neuland. Berlin: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37762-ueberwiegend-neuland_46187, veröffentlicht am 06.11.2014. Buch-Nr.: 46187 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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