Matthias Vogl

Europäische Sicherheitspolitik in Afrika im Wandel. Von Machtpolitik zum aufgeklärten Eigeninteresse?

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2015 (Schriften des Zentrum für Europäische Integrationsforschung 76); 400 S.; 86,- €; ISBN 978-3-8487-2142-9
Diss. Bonn; Begutachtung: L. Kühnhardt, X. Gu. – Europa und Afrika verbindet nicht erst seit dem 19. Jahrhundert eine ebenso lange wie abwechslungsreiche und schwierige Geschichte. Matthias Vogl geht der Frage nach, wie sich ihr Verhältnis zueinander seit der Zeit des europäischen Imperialismus gewandelt hat, wobei er unter anderem der These folgt, dass sich die europäische Afrikapolitik insgesamt durch eine Verschiebung des europäischen Verständnisses von Sicherheit gewandelt habe. Im Zuge des politischen Wandels in Europa, von einem durch nationalstaatliche Einzelinteressen dominierten und zersplitterten Kontinent hin zu einem um Modelle supranationaler Kooperation ringenden politischen Staatenverbund, habe sich auch die vorherrschende Idee von Sicherheit verschoben. Diese sei von einer eindimensionalen, auf die Durchsetzung von nationalen Interessen fokussierten Sichtweise geprägt gewesen, habe sich aber im Laufe der europäischen Integration zu einem wertebasierten, kooperativen Verständnis gewandelt. Im Zuge einer langfristig angelegten, das Konzept dieser sich wandelnden Sicherheitsvorstellung reflektierenden Literatur‑ und Dokumentenanalyse kommt Vogl unter anderem zu dem Schluss, dass im Verhältnis von Europa zu Afrika die Zeit klassischer Machtpragmatik vorbei sei. An ihre Stelle sei in der Tat eine „Politik des aufgeklärten Eigeninteresses“ (329) getreten, die jedoch ihrerseits in der politischen Praxis noch nicht frei von Defiziten sei. Gerade in Krisensituationen seien die im Vergleich zu nationalen Alleingängen wesentlich weiterreichenden Möglichkeiten, die sich durch eine supranational verzahnte Afrikapolitik ergeben, noch nicht hinreichend genutzt worden. Vor dem Hintergrund einer noch immer – und wahrscheinlich auch weiterhin – zugespitzten Flüchtlingssituation im Mittelmeerraum gelte es, die positiven Entwicklungen im Rahmen einer echten europäisch‑afrikanischen Kooperation weiter auszubauen. Ob es dazu allerdings kommen wird, so die Einschätzung von Vogl, bleibt abzuwarten. Die Beibehaltung des eingeschlagenen Weges des aufgeklärten Eigeninteresses sei indes wünschenswert.
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Rubrizierung: 3.62.673.33.2 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Matthias Vogl: Europäische Sicherheitspolitik in Afrika im Wandel. Baden-Baden: 2015, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/40085-europaeische-sicherheitspolitik-in-afrika-im-wandel_47292, veröffentlicht am 22.09.2016. Buch-Nr.: 47292 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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