Claudia Fröhlich / Harald Schmid / Birgit Schwelling (Hrsg.)

Jahrbuch für Politik und Geschichte. Band 4: Geschichte ausstellen

Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2014 (JPG 2013); 263 S.; 52,- €; ISBN 978-3-515-10676-4
Der politische Gebrauch von Geschichte und der öffentliche Umgang damit manifestieren sich auch in Ausstellungen, zumal dann, wenn diese von Trägern verantwortet werden, die durch staatliche Gelder finanziert werden. Diesem Spannungsfeld sind acht Beiträge sowohl mit internen als auch mit externen Zugängen zum Thema gewidmet; der Schwerpunkt liegt auf Beispielen aus dem deutschsprachigen Raum. Dabei wird „eine möglichst facettenreiche analytische Bestandsaufnahme des ,Ortes‘ historischer Ausstellungen am Schnittfeld erinnerungskulturellen und geschichtspolitischen Handelns“ (8) angestrebt. Stefan Krankenhagen analysiert die Aktivitäten des 1997 gegründeten Vereins Musée de l‘Europe und seine Versuche, über verschiedene Ausstellungen ein bestimmtes Geschichtsbild von Europa zu propagieren. In Anlehnung an offizielle Dokumente der Europäischen Union erscheint der Kontinent als „eine Einheit, die ihren ideengeschichtlichen Ausgang in einem Europa des Hellenismus und des Christentums findet, in der europäischen Aufklärung ihre entscheidende Dynamisierung und in ihrer heutigen politischen Verfassung ihr Telos erfährt“ (37). Ambivalenzen des Integrationsprozesses bleiben dabei überwiegend ausgespart. Die zunehmende Bedeutung europäisch konnotierter Elemente konstatiert auch Martin Große Burlage. In seiner Untersuchung historischer Landesausstellungen am Beispiel zweier Projekte zum Herrschergeschlecht der Staufer von 1977 und 2010/11 arbeitet er deren Zielsetzung in der „Anregung und Stärkung des Geschichtsinteresses und ‑bewusstseins als grundlegende, aufklärerische staatliche Aufgabe und Verantwortung sowie immer mehr auch die Anregung eines europäischen Geschichtsbewusstseins“ (99) heraus. Daneben treten repräsentative und wirtschaftliche Motive. Bert Pampel betrachtet die geschichtspolitischen Herausforderungen an Gedenkstätten in Deutschland, die sowohl an nationalsozialistische als auch an kommunistische Verbrechen erinnern sollen. Entgegen der intendierten Differenzierung scheint es dabei bei den Besuchern eher zu einer tendenziellen Einebnung der „Unterschiede zwischen den aufeinanderfolgenden Zeiträumen“ (122 f.) zu kommen. Auch in den fünf Beiträgen außerhalb des Schwerpunktes geht es um das Themenfeld Geschichte – Gedächtnis – Erinnerung. Ergänzt werden sie durch einen Literaturbericht zur Transitional Justice, in dem vor allem englischsprachige Veröffentlichungen der vergangenen 15 Jahre diskutiert werden.
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Rubrizierung: 2.35 | 2.23 | 3.1 Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Claudia Fröhlich / Harald Schmid / Birgit Schwelling (Hrsg.): Jahrbuch für Politik und Geschichte. Band 4: Geschichte ausstellen Stuttgart: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/37419-jahrbuch-fuer-politik-und-geschichte-band-4-geschichte-ausstellen_45992, veröffentlicht am 14.08.2014. Buch-Nr.: 45992 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken

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