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Michael Krennerich: Free and fair elections. Standards, Curiosities, Manipulations

10.03.2022
1 Ergebnis(se)
Autorenprofil
Daniel Hellmann
Bonn, Verlag J.H.W. Dietz 2021

In seinem Buch „Free and fair elections. Standards, Curiosities, Manipulations“, das Daniel Hellmann rezensiert hat, beschäftigt sich Michael Krennerich mit den unterschiedlichen Ausprägungen, die Wahlen annehmen können. Das Werk hält, was der Titel verspricht: Darin werden internationale Standards, Manipulationsmöglichkeiten und Kuriositäten im Zusammenhang mit Wahlen übersichtlich aufbereitet. Krennerich präsentiert insgesamt ein gut lesbares und mit anschaulichen Beispielen gespicktes Buch, das ein facettenreiches Bild unterschiedlicher Wahlpraktiken zeichnet. (dk)

Eine Rezension von Daniel Hellmann

Welche Möglichkeiten haben Autokraten, Wahlen zu ihren Gunsten zu fälschen, zu beeinflussen oder zu manipulieren? Und wie unterschiedlich können Wahlen in Demokratien organisiert werden? Auf diese Fragen bietet Michael Krennerichs Publikation „Free and fair elections. Standards, Curiosities, Manipulations“ einen bunten Blumenstrauß an Antworten. Bei dem Buch handelt es sich um eine englische Übersetzung des bereits 2020 unter dem Titel „Freie und faire Wahlen“ erschienenen Werks Krennerichs, in das zudem ein Kapitel zu Wahlen unter den Bedingungen der Covid-19-Pandemie ergänzt wurde. Der Autor ist Professor am Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der FAU Erlangen-Nürnberg und war bereits mehrfach selbst als Wahlbeobachter im Einsatz. Insofern sind seine Schilderungen vielfach mit Anekdoten gespickt und orientieren sich normativ an der Universalität des Wahlrechts als Menschenrecht.

Inhaltlich richtet Krennerich den Fokus auf die verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten von Wahlen und stellt so dar, welch unterschiedliche Ausprägungen Wahlen annehmen. Manche erfüllen die gängigen internationalen Standards (die umfangreich im Anhang aufgeführt sind) und andere verfehlen sie; manche scheinen auf den ersten Blick demokratisch, sind bei genauerem Hinsehen aber weder frei noch fair. Schrittweise beleuchtet er Themen wie das aktive und passive Wahlrecht, die Wahlkreiseinteilung, die Wahlkampagne, die Rolle der Medien im Wahlkampf, die Finanzierung der Parteien, die Rolle von Meinungsumfragen, den Wahlakt, die Ergebnisfeststellung und die Umrechnung von Stimmen in Mandate. Zusätzlich untersucht er die Repräsentation von Frauen und nationalen Minderheiten. Diese letzten beiden Punkte, so wichtig ihre Betrachtung auch ist, passen jedoch nicht so recht in den Aufbau des Buches, das sich ansonsten stark auf den Wahlprozess konzentriert.

In jedem Kapitel wird neben der Darstellung der einschlägigen internationalen Standards und der Illustration anhand von Beispielen auch kurz erläutert, wie die entsprechende Regelung in Deutschland lautet, was sowohl für deutsche als auch internationale Leserinnen und Leser von Interesse sein kann.

Dabei zeigt der Autor das „Menü an Manipulationsmöglichkeiten“ („Menu of Manipulations“ Andreas Schedler 2002: 371) auf und weist auf allerlei Kurioses hin. So kann man in Norwegen auch ohne die eigene Zustimmung auf dem Wahlzettel landen, in Albanien werden über Hundertjährige automatisch aus dem Wählerregister gestrichen (können sich aber wieder eintragen lassen) und in Gambia wurde bis zuletzt noch mit Glasmurmeln (daher im Übrigen auch der englische Begriff „ballot“ vom französischen „ballotage“) statt mit Wahlzetteln gewählt. Normativ bewertet Krennerich solche Praktiken vor dem Hintergrund der gängigen internationalen Standards. Diese Perspektive ermöglicht es, illegitime Wahlbeeinflussung durch Autokraten zu identifizieren und lässt zugleich Spielraum für allerlei „zulässige“ Unterschiede zwischen verschiedenen demokratischen Wahlverfahren.

„Free and fair elections” ist kein streng wissenschaftliches Werk oder gar Lehrbuch. Quellenverweise sind zugunsten der Lesbarkeit sparsam gesetzt und auch sprachlich ist das Werk zugänglich geschrieben. Verwundert stellt man als Leser fest, dass manche Kapitel nur wenige Seiten umfassen, obwohl sich inhaltlich noch einiges ergänzen ließe. Die vielen Einzelbeispiele, die einerseits die Stärke des beschreibenden Ansatzes bilden, können andererseits mitunter den Lesefluss hemmen. Insgesamt bereichern sie aber das facettenreiche Bild von Wahlpraktiken, das Krennerich zeichnet und laden dazu ein, darüber zu reflektieren, wie Wahlen auch hierzulande besser organisiert werden könnten.


Anmerkung

1 Schedler, Andreas (2002): The Menu of Manipulation. In: Journal of Democracy, 13(2): 37-50.

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