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Russische Marinedoktrin und maritime Rüstung. Anspruch und Realität

21.03.2018
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Prof. Dr. Hannes Adomeit

Kuznetsov 960111 N 9085M 002An Bord des russischen Flugzeugträgers „Admiral Kuznecov“. Foto: U.S. Navy (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kuznetsov_960111-N-9085M-002.jpg)

 

Am 20. Juli 2017 hat der russische Präsident Vladimir Putin per Dekret eine neue Marinedoktrin in Kraft gesetzt. Wie die übergeordnete Militärdoktrin vom Dezember 2014 unterscheidet auch die Doktrin für die Seestreitkräfte zwischen militärischen Gefahren und Bedrohungen. Der erste Punkt auf der Liste der Gefahren sind die Ambitionen einer Reihe von Staaten, vor allem aber der „USA und ihrer Verbündeten, die hohe See, einschließlich in der Arktis, zu beherrschen und auf die überwältigende Überlegenheit ihrer Seestreitkräfte zu drängen“. Als weitere Gefährdungen, die wiederum unausgesprochen insbesondere von den USA ausgingen, werden „territoriale Ansprüche auf See- und Küstengebiete, Bemühungen, den Zugang Russlands zu maritimen Ressourcen einzuschränken, und Versuche, die russische Kontrolle über die Nördliche Seeroute zu schwächen“, genannt.

In dem Dokument werden drei mögliche spezifische Bedrohungen für Russland aufgeführt. Die erste ist eine drastische Veränderung der Sicherheitslage durch die Anwendung militärischer Gewalt in maritimen Gebieten, die für Russland von strategischem Interesse sind; die zweite ist die Stationierung von strategischen nichtnuklearen Präzisionswaffen und ballistischen Raketenabwehrsystemen in an Russland angrenzenden Territorien und maritimen Gebieten; die dritte ist der Einsatz militärischer Gewalt durch andere Staaten in einer Weise, die russische nationale Interessen bedroht.

Neben der Arktis unterstreicht die Doktrin die Bedeutung des Zugangs zu Energieressourcen im Nahen Osten und am Kaspischen Meer. Sie äußert sich besorgt über die negativen Auswirkungen regionaler Konflikte im Nahen Osten, in Südasien und Afrika für die internationale Sicherheit. Die Stärkung der Schwarzmeerflotte und der russischen Streitkräfte auf der Krim sowie die Aufrechterhaltung einer ständigen Präsenz der Marine im Mittelmeerraum werden als die wichtigsten geografischen Prioritäten für die zukünftige Entwicklung der russischen Marine hervorgehoben.

Das Ziel ist, eine ausgewogene Streitmacht aus nuklearstrategischen und konventionellen Kräften aufzubauen. So sollen die vorhandenen Stärken bei ballistischen Raketen-U-Booten ausgebaut und die konventionellen Streitkräfte modernisiert werden und eine qualitativ neue Zusammensetzung erhalten. Die Aufgaben, die diese zu erfüllen haben, sind sowohl die der Abschreckung als auch der Bereitschaft, reguläre Kriegseinsätze durchzuführen. Dazu soll die gesamte Palette möglicher Marineausrüstung beschafft werden, einschließlich Mehrzweck-U-Boote, Mehrzweck-Kampfschiffe, Marineflieger sowie Küstenverteidigungskräfte. Eine neue Generation von U-Booten mit von Luft unabhängigen Antriebssystemen soll entwickelt werden und die mit Diesel betriebenen Boote ersetzen. Die wichtigste konventionelle Bewaffnung der Marine bis 2025 soll jedoch aus hochpräzisen Langstreckenraketen bestehen, die laut Planung später durch Hyperschallraketen und verschiedene automatisierte Systeme wie unbemannte Unterwasserfahrzeuge ergänzt werden.

Insgesamt sollen Seestreitkräfte geschaffen werden, die in der Lage sein müssen, auch in entfernten Gebieten der Weltmeere zu operieren und dazu beizutragen, „russische Führungspositionen in der multipolaren Welt des 21. Jahrhunderts zu sichern“, „die ausschließliche Dominanz der US-Marine und der USA und anderer Seemächte“ zu verhindern und weiterhin „den zweiten Platz in der Welt nach Kampfeigenschaften zu besetzen“.
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Der vollständige Aufsatz ist erschienen in: SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen, Band 2, Heft 1, Seiten 70–75: https://www.degruyter.com/view/j/sirius.2018.2.issue-1/sirius-2018-0008/sirius-2018-0008.xml

 

 

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SIRIUS: Analyse

Fünf Anmerkungen zu Zapad 2017. Kernaussagen der gemeinsamen Militärübung von Russland und Belarus

Nach sieben Tagen intensiver militärischer Operationen wurde das fiktive Land Weschnorija (das etwa so groß ist wie die drei baltischen Staaten zusammen) durch eine gemeinsame Aktion russischer und weißrussischer Streitkräfte unterworfen. In einer groß angelegten Show-Übung zerstörten die Unionsstaaten Russland und Belarus den Feind, nachdem Weschnorija Grenzverletzungen und massive Luftangriffe unternommen hatte. Dieses Szenario wurde natürlich nur in Russland und in Belarus während der Übung Zapad 2017 im September durchgespielt. Mathieu Boulègue erläutert die Kernbotschaften dieser Übung.
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SIRIUS: Rezension

Anthony H. Cordesman
Putin and Russia’s New Nuclear Weapons: Whoever Dies with the Most Toys Wins?
Washington, D.C., Center for Strategic and International Studies, 8. März 2018

Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit seiner Rede zur Lage der Nation am 1. März 2018, in der er unter anderem die Beschaffung neuer Trägersysteme für Nuklearwaffen angekündigt hat, für einigen medialen Wirbel gesorgt. Der renommierte Militärexperte Anthony H. Cordesman setzt sich in dem an dieser Stelle besprochenen Report kritisch mit Putins Aussagen und deren strategischen Folgen auseinander. Cordesman warnt davor, die Relevanz von Putins Aufrüstungsplänen zu überschätzen. Russlands Präsident habe zwar eine Reihe neuer Trägersysteme medienwirksam präsentiert, mit deren Bau ginge jedoch keine nennenswerte Veränderung der militärischen Kräfteverhältnisse einher. (Sven-Eric Fikenscher)
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Mehr zum Themenfeld Strategische Konkurrenz im internationalen System?

 

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SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen

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