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/ 12.06.2013
Gerhard Wagner

Auguste Comte zur Einführung

Hamburg: Junius 2001 (Zur Einführung 235); 142 S.; brosch., 11,50 €; ISBN 3-88506-335-2
Der Band beginnt mit der Information, dass Comte am "30. Nivose VI" geboren wurde (9); sicherlich ein originelles Geburtsdatum, das für Wagner den lebenslangen Versuch Comtes symbolisiert, zwischen Revolution und Restauration zu vermitteln und beide zu überwinden. Das führt zu einer organischen Theorie des Fortschritts, zur Religion der Humanität und letztlich zur Weltgesellschaft. Vieles in den Schriften Comtes ist heute kaum noch erträglich, aber Wagner bemüht sich aufzuzeigen, was sich unter ...
Gerhard Wagner

Auguste Comte zur Einführung

Hamburg: Junius 2001 (Zur Einführung 235); 142 S.; brosch., 11,50 €; ISBN 3-88506-335-2
Der Band beginnt mit der Information, dass Comte am "30. Nivose VI" geboren wurde (9); sicherlich ein originelles Geburtsdatum, das für Wagner den lebenslangen Versuch Comtes symbolisiert, zwischen Revolution und Restauration zu vermitteln und beide zu überwinden. Das führt zu einer organischen Theorie des Fortschritts, zur Religion der Humanität und letztlich zur Weltgesellschaft. Vieles in den Schriften Comtes ist heute kaum noch erträglich, aber Wagner bemüht sich aufzuzeigen, was sich unter anderem Namen und ohne dass die Comte'sche Quelle bekannt wäre als überlebensfähig erwiesen hat. Der Überblick ist gründlich, aber leider hält Wagner es für erforderlich, zur Ehrenrettung Comtes zugleich andere Theoretiker herabzusetzen. Da ist Saint-Simon, für den Comte am Anfang seiner Laufbahn arbeitete, ein Opportunist, der seine Ideen "in den Pariser Salons aufschnappte" (21), da "stellte Comte jene Fortschrittstheorie bereit, an der die Aufklärungsphilosophen gescheitert waren, indem er die Theorien von Pascal, Turgot und Condorcet, die für sich genommen alle ungenügend waren, kombinierte" (96). Und in andere zeitliche Richtung haben Spencer, Durkheim, Parsons und Luhmann den Fortschrittsglauben zum "seichten Evolutionismus" (97) verkommen lassen. Wenn man sich hiervon nicht irritieren lässt, ist der Band so informativ, wie man es von einer Einführung erwartet.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Gerhard Wagner: Auguste Comte zur Einführung Hamburg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13994-auguste-comte-zur-einfuehrung_16770, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16770 Rezension drucken
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