/ 11.06.2013
Robert-Jan van Pelt / Debórah Dwork
Auschwitz. Von 1270 bis heute. Aus dem Englischen von Klaus Rupprecht
München/Zürich: Pendo Verlag 2000; 469 S.; ISBN 3-85842-391-2Die Autoren stellen die Geschichte der Stadt Auschwitz von der Gründung durch deutsche Siedler im Hochmittelalter bis zur Inbetriebnahme des KZ-Lagerkomplexes (und seiner Befreiung) im Zweiten Weltkrieg dar. Der erste, "Nostalgie und Erfüllung" betitelte Teil behandelt die siebenhundertjährige Geschichte einer "ganz normalen" Siedlung beziehungsweise Stadt (17) in der ostschlesischen Grenzregion. Der Bogen spannt sich von den Zeiten der deutschen Ordensritter über den Verlust der deutschen Oberh...
Robert-Jan van Pelt / Debórah Dwork
Auschwitz. Von 1270 bis heute. Aus dem Englischen von Klaus Rupprecht
München/Zürich: Pendo Verlag 2000; 469 S.; brosch., 29,80 DM; ISBN 3-85842-391-2Die Autoren stellen die Geschichte der Stadt Auschwitz von der Gründung durch deutsche Siedler im Hochmittelalter bis zur Inbetriebnahme des KZ-Lagerkomplexes (und seiner Befreiung) im Zweiten Weltkrieg dar. Der erste, "Nostalgie und Erfüllung" betitelte Teil behandelt die siebenhundertjährige Geschichte einer "ganz normalen" Siedlung beziehungsweise Stadt (17) in der ostschlesischen Grenzregion. Der Bogen spannt sich von den Zeiten der deutschen Ordensritter über den Verlust der deutschen Oberhoheit Mitte des 15. Jahrhunderts, die verschiedenen polnischen Teilungen und den Rückfall der Stadt an Österreich 1772, die Germanisierungspläne für Teile Polens im 19. Jahrhundert bis zum NS-Konzept einer "neuen Ostsiedlung" als ideologische Begründung des deutschen Angriffs auf Polen, die baltischen Staaten und die Sowjetunion. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Plänen und den tatsächlich durchgeführten Maßnahmen zur Um- bzw. Neugestaltung der Stadt Auschwitz im Sinne der "Lebensraum"-Ideologie. Im zweiten, "Ehrgeiz und Untergang" überschriebenen Teil dokumentieren die Autoren mit großer Genauigkeit die Planung, Errichtung, Organisation und Expansion des KZ-Lagerkomplexes zwischen Frühsommer 1940 und Winter 1944/45. Die Aktivitäten der IG Farben im Zusammenhang mit dem Auf- und Ausbau eines Buna-Werkes, in dem Häftlinge aus dem "Stammlager" zur Zwangsarbeit gezwungen wurden, werden ebenso in einem eigenen Kapitel behandelt wie der Aufbau des Vernichtungslagers Birkenau sowie die Organisation und Durchführung der "Endlösung" in diesem Lagerteil ab dem Sommer 1941. Der knappe Epilog befasst sich mit der wechselvollen Rezeption und Aufarbeitung der Geschichte der Stadt und des Vernichtungslagers Auschwitz zwischen historischem Mythos und Schlagwort einerseits und der fehlenden Einbindung, ja Ausgrenzung aus dem historischen Kontext der europäischen Geschichte in dieser Region andererseits.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.312
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Robert-Jan van Pelt / Debórah Dwork: Auschwitz. München/Zürich: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13130-auschwitz_15733, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15733
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
CC-BY-NC-SA