/ 11.06.2013
Das Ende der Illusion
Arundhati Roy
Das Ende der Illusion. Politische Einmischungen. Aus dem Englischen von Wolfram Ströle
München: Karl Blessing Verlag 1999; 157 S.; ISBN 3-89667-138-3Die beiden in diesem Band veröffentlichten Essays der indischen Schriftstellerin aus dem Jahr 1998 nehmen zu zwei Großprojekten der Zentralregierung Indiens Stellung, die in den letzten vier Jahrzehnten zum Zentrum gesellschaftlicher Debatten und politischer Auseinandersetzungen geworden sind. Das ist zum einen das weltweit größte Programm zur Errichtung hunderter großer und tausender kleinerer Staudämme zur Energiegewinnung, Wasserversorgung und wirtschaftlichen Erschließung von Dürreregionen i...
Arundhati Roy
Das Ende der Illusion. Politische Einmischungen. Aus dem Englischen von Wolfram Ströle
München: Karl Blessing Verlag 1999; 157 S.; ISBN 3-89667-138-3Die beiden in diesem Band veröffentlichten Essays der indischen Schriftstellerin aus dem Jahr 1998 nehmen zu zwei Großprojekten der Zentralregierung Indiens Stellung, die in den letzten vier Jahrzehnten zum Zentrum gesellschaftlicher Debatten und politischer Auseinandersetzungen geworden sind. Das ist zum einen das weltweit größte Programm zur Errichtung hunderter großer und tausender kleinerer Staudämme zur Energiegewinnung, Wasserversorgung und wirtschaftlichen Erschließung von Dürreregionen i...
Arundhati Roy
Das Ende der Illusion. Politische Einmischungen. Aus dem Englischen von Wolfram Ströle
München: Karl Blessing Verlag 1999; 157 S.; geb., 24,90 DM; ISBN 3-89667-138-3Die beiden in diesem Band veröffentlichten Essays der indischen Schriftstellerin aus dem Jahr 1998 nehmen zu zwei Großprojekten der Zentralregierung Indiens Stellung, die in den letzten vier Jahrzehnten zum Zentrum gesellschaftlicher Debatten und politischer Auseinandersetzungen geworden sind. Das ist zum einen das weltweit größte Programm zur Errichtung hunderter großer und tausender kleinerer Staudämme zur Energiegewinnung, Wasserversorgung und wirtschaftlichen Erschließung von Dürreregionen in Indien, zum anderen das nach langjähriger Erprobung im Mai 1998 erfolgreich abgeschlossene Projekt zum Bau einer indischen Atombombe. In beiden Fällen kritisiert die Autorin die fehlende Transparenz und mangelnde demokratische Legitimierung dieser Programme, die Nichtberücksichtigung beziehungsweise Unterdrückung vielfältiger Einwände und Proteste dagegen und schließlich deren unkalkulierbare ökologische und politische Risiken. Ihre Argumentation gründet sich dabei auf ethische und soziale Überzeugungen, deren Preisgabe sie der ihrer Ansicht nach politisch kaum kontrollierbaren und moralisch unverantwortlichen Bürokratie der Zentralregierung in Neu Delhi vorwirft. Die Dokumentation konkreter Unterlassungen beziehungsweise Repressalien als Reaktion auf öffentlich geäußerten Widerstand gegen die Programme ist nicht immer zweifelsfrei. Doch gelingt ihr, am Beispiel der Abkehr der Weltbank vom Staudammprogramm aufgrund umfassender negativer Gutachten sowie am Beispiel der verschärften Spannungen mit dem Nachbarstaat Pakistan aufgrund des gelungenen Atombombentests zu zeigen, wie wenig diese "nationalen Prestigeprojekte" zur Lösung der lokalen Probleme und zur Linderung der existenziellen Not großer Teile der Bevölkerung in allen Regionen Indiens beitragen und wie sehr von der Überwindung der ethnischen, sozialen und kulturellen Konflikte in der Vielvölkergesellschaft der politische Fortbestand des Bundesstaates Indien abhängen werde.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.68
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Arundhati Roy: Das Ende der Illusion. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12216-das-ende-der-illusion_14584, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 14584
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
CC-BY-NC-SA