/ 11.06.2013
Eva Menasse
Der Holocaust vor Gericht. Der Prozess um David Irving
Berlin: Siedler Verlag 2000; 191 S.; ISBN 3-88680-713-4Der Historiker Irving hat in Deutschland (und Österreich) Einreiseverbot, weil er den Holocaust leugnet; hierzulande ist er relativ unbekannt, obwohl Irving zahlreiche Bücher veröffentlicht hat. In einem Prozess Anfang 2000 berief er sich auf sein Recht auf freie Meinungsäußerung und verklagte die amerikanische Historikerin Deborah Lipstad wegen Verleumdung: Sie hatte ihn in ihrem Buch u. a. als Rassisten, Antisemiten, Holocaust-Leugner usw. bezeichnet. Das britische Recht ist so strukturiert, d...
Eva Menasse
Der Holocaust vor Gericht. Der Prozess um David Irving
Berlin: Siedler Verlag 2000; 191 S.; Ln., 29,90 DM; ISBN 3-88680-713-4Der Historiker Irving hat in Deutschland (und Österreich) Einreiseverbot, weil er den Holocaust leugnet; hierzulande ist er relativ unbekannt, obwohl Irving zahlreiche Bücher veröffentlicht hat. In einem Prozess Anfang 2000 berief er sich auf sein Recht auf freie Meinungsäußerung und verklagte die amerikanische Historikerin Deborah Lipstad wegen Verleumdung: Sie hatte ihn in ihrem Buch u. a. als Rassisten, Antisemiten, Holocaust-Leugner usw. bezeichnet. Das britische Recht ist so strukturiert, dass in einem solchen Fall die Beweislast nicht beim Kläger, sondern bei der Beklagten liegt. Lipstad musste also beweisen, dass die von ihr vorgebrachten Äußerungen zutreffend sind, nicht umgekehrt. Der Prozess bekam insofern eine hohe politische Bedeutung, als in ihm letztlich auch die Wahrheit des Holocausts von einem Gericht entschieden werden musste. Das Buch porträtiert zunächst die beiden zentralen Personen des Verfahrens, Irving und Lipstad, sowie weitere Beteiligte, bevor es den eigentlichen Prozess in tagebuchartiger Form präsentiert. Die Autorin, die als Journalistin das beobachtete, schafft es, den Prozess, der wohl häufig "entsetzlich langweilig" (128) war, in gut lesbarer, von juristischen Details freier Art und Weise zu präsentieren. Menasse zeichnet ein lebendiges, allerdings nicht immer ungetrübtes (typisches Beispiel: "Heather Rogers, eine freundliche Frau ohne erkennbares Alter und ohne erkennbare Haarfarbe" [68]) Bild der mehrmonatigen Verhandlungen, in denen teilweise in grotesker Manier über die praktischen Möglichkeiten des NS-Massenmordens diskutiert wurde und die mit einem Freispruch Lipstads und mit Kosten in Millionenhöhe sowie einer gigantischen Medienpräsenz für Irving endeten.
Silke Becker (Be)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.23 | 2.312 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Eva Menasse: Der Holocaust vor Gericht. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13077-der-holocaust-vor-gericht_15666, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15666
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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