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/ 11.06.2013
Thomas Keller

Deutsch-französische Dritte-Weg-Diskurse. Personalistische Intellektuellendebatten der Zwischenkriegszeit

München: Wilhelm Fink Verlag 2001 (Übergänge 39); 437 S.; geb., 50,11 €; ISBN 3-7705-3504-9
Ausgehend von der nicht zuletzt durch das gleichnamige Buch von Anthony Giddens beflügelten Renaissance so genannter „Dritter Wege" rekonstruiert Keller in seiner materialreichen Studie die Vorgeschichte und Prägung von Dritte-Weg-Diskursen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, genauer in der Zwischenkriegszeit. Diese ideengeschichtliche Aufarbeitung hat durchaus aktuelle Relevanz: „Bei einer Rekonstruktion kommen dabei auch höchst zweideutige, unliebsame, ja sogar gefährliche Facetten solcher...
Thomas Keller

Deutsch-französische Dritte-Weg-Diskurse. Personalistische Intellektuellendebatten der Zwischenkriegszeit

München: Wilhelm Fink Verlag 2001 (Übergänge 39); 437 S.; geb., 50,11 €; ISBN 3-7705-3504-9
Ausgehend von der nicht zuletzt durch das gleichnamige Buch von Anthony Giddens beflügelten Renaissance so genannter „Dritter Wege" rekonstruiert Keller in seiner materialreichen Studie die Vorgeschichte und Prägung von Dritte-Weg-Diskursen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, genauer in der Zwischenkriegszeit. Diese ideengeschichtliche Aufarbeitung hat durchaus aktuelle Relevanz: „Bei einer Rekonstruktion kommen dabei auch höchst zweideutige, unliebsame, ja sogar gefährliche Facetten solcher Weder-noch-Denkfiguren in den Blick." (7 f.) Im Zentrum seiner Untersuchung steht der Personalismus, wie er sich in der Gruppe des L'Ordre Nouveau, aber auch im „Esprit" äußerte. Die „Feinanalyse" (11) der dritten Wege umschließt jedoch auch noch anarchistisch-surrealistische, nationalrevolutionäre und planistische Wege. Methodisch geht es Keller dabei um eine „deutsch-französische Interaktionsanalyse", deren Arbeitsaufwand und Ertragsbilanz das Buch gleichermaßen belegt: „Sie betreibt nicht nur Ideengeschichte, sondern erfasst soziologische, philosophische, anthropologische und literarische Diskurse und verknüpft die Soziologie von Intellektuellengruppen mit der Beschreibung von Transfers von Wissen, die durch Rezeption, Kontakte, Austausch und Emigration zustande kommen." (12) Im Ergebnis dieser Analyse hält Keller fest, dass „die antiliberalen dritten Wege nicht alle rückwirkend auf die Nazi-Barbarei finalisiert werden" (391) können und sollten: „Versuche einer alternativen Modernisierung sind offensichtlich ein europäisches Phänomen." (391) Die von ihm rekonstruierten „Teilstücke einer deutsch-französischen Kulturgrammatik können auch in anderen Weltgegenden und phasenverschoben auftreten" (397). Das Phänomen der Globalisierung werde somit auch die dritten Wege globalisieren. Inhaltsübersicht: I. Revolutionäre Dritte-Weg-Bewegungen; II. Die Vorgeschichte: Eine neue Intelligenz; III. Die deutsch-französischen Anschlussstellen: Revolutionäre Revisionismen; IV. Die nonkonformistische Generation; V. Der föderalistische Personalismus von l'Ordre Nouveau; VI. Arbeit und Gemeinschaft - Der Esprit-Personalismus; VII. Die Pluralisierung des Personalismus; Schluss: Alternative Modernisierung.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 5.425.43 Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Thomas Keller: Deutsch-französische Dritte-Weg-Diskurse. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13140-deutsch-franzoesische-dritte-weg-diskurse_15745, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15745 Rezension drucken
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