/ 11.06.2013
Georg M. Hafner / Esther Schapira
Die Akte Alois Brunner. Warum einer der größten Naziverbrecher noch immer auf freiem Fuß ist
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2000; 327 S.; ISBN 3-593-36569-3Brunner verantwortet den Tod über 120000 Menschen und war die rechte Hand von Adolf Eichmann. Dennoch wurde er für seine Verbrechen nicht bestraft. Vielmehr lebt er heute in Syrien, war für den syrischen Geheimdienst tätig und gab sogar 1985 der Zeitschrift "Bunte" ein Interview. Die Autorin und der Autor beschreiben die Aktivitäten Brunners während der Nazi-Zeit und zeichnen nach, wie er sich in den Jahren danach bis heute der Verfolgung entzogen hat. Zugleich decken sie eine beispiellose Melan...
Georg M. Hafner / Esther Schapira
Die Akte Alois Brunner. Warum einer der größten Naziverbrecher noch immer auf freiem Fuß ist
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2000; 327 S.; geb., 39,80 DM; ISBN 3-593-36569-3Brunner verantwortet den Tod über 120000 Menschen und war die rechte Hand von Adolf Eichmann. Dennoch wurde er für seine Verbrechen nicht bestraft. Vielmehr lebt er heute in Syrien, war für den syrischen Geheimdienst tätig und gab sogar 1985 der Zeitschrift "Bunte" ein Interview. Die Autorin und der Autor beschreiben die Aktivitäten Brunners während der Nazi-Zeit und zeichnen nach, wie er sich in den Jahren danach bis heute der Verfolgung entzogen hat. Zugleich decken sie eine beispiellose Melange von Fahrlässigkeit, Fehlern, Falschinformationen und vor allem von Desinteresse der mit dem Fall befassten Staatsanwälte und Politiker auf, das im übrigen quer durch die Parteien ging. In seinem Zusammenwirken führte dies dazu, dass sich Brunner bis heute seiner Bestrafung entziehen konnte. Das leicht lesbare, und trotz seines skandalösen Inhalts unaufgeregt geschriebene Werk ist als Ergänzung zu dem in der ARD ausgestrahlten Dokumentarfilm "Die Akte Alois B. - Alois Brunner, die Geschichte eines Massenmörders" erschienen. Die Beschäftigung mit dem Thema geht auf die Anregung und die Recherchen von Beate und Serge Klarsfeld zurück; der Vater von Serge Klarsfeld wurde in Auschwitz umgebracht, nachdem er (wahrscheinlich von Brunner persönlich) verhaftet worden war. Das sorgfältig recherchierte Buch wurde durch den Abdruck einiger Fotos und Dokumente ergänzt - schade ist jedoch, dass nicht alle wichtigen Dokumente, wie etwa das oft zitierte "Bunte"-Interview, wiedergegeben wurden.
Silke Becker (Be)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.312 | 2.313 | 2.315
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Georg M. Hafner / Esther Schapira: Die Akte Alois Brunner. Frankfurt a. M./New York: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12602-die-akte-alois-brunner_15068, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15068
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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