/ 12.06.2013
Takeshi Ishida
Die Entdeckung der Gesellschaft. Zur Entwicklung der Sozialwissenschaften in Japan. Hrsg. und aus dem Japanischen übersetzt von Wolfgang Seifert
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2008 (edition suhrkamp 2191); 362 S.; ISBN 978-3-518-12191-7Die wesentlichen sozialwissenschaftlichen Theorien und Methoden sind allesamt im Westen entstanden. Die japanische Sozialwissenschaft entwickelte sich deshalb notgedrungen in Auseinandersetzung mit fremden Konzepten und Denkweisen. Der ehemalige Professor an der Universität Tokio Ishida zeichnet die Wege und Irrwege dieser Aneignung und Verarbeitung nach. Dabei ist eine Geschichte der japanischen Sozialwissenschaften seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Ihre Keimzelle waren Vorlesunge...
Takeshi Ishida
Die Entdeckung der Gesellschaft. Zur Entwicklung der Sozialwissenschaften in Japan. Hrsg. und aus dem Japanischen übersetzt von Wolfgang Seifert
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2008 (edition suhrkamp 2191); 362 S.; ISBN 978-3-518-12191-7Die wesentlichen sozialwissenschaftlichen Theorien und Methoden sind allesamt im Westen entstanden. Die japanische Sozialwissenschaft entwickelte sich deshalb notgedrungen in Auseinandersetzung mit fremden Konzepten und Denkweisen. Der ehemalige Professor an der Universität Tokio Ishida zeichnet die Wege und Irrwege dieser Aneignung und Verarbeitung nach. Dabei ist eine Geschichte der japanischen Sozialwissenschaften seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Ihre Keimzelle waren Vorlesungen, die der Autor 1982 am Ostasiatischem Seminar der FU Berlin hielt. Im japanischen Original erschien die detailreiche Studie dann schon 1984. Die Darstellung hat bis heute nichts von ihrer Genauigkeit und Komplexität eingebüßt. Als Anfängerlektüre ist sie sicherlich nicht geeignet. Im Gegenteil, der Autor setzt eindeutig ein hohes Kenntnisniveau in Theorie und Methodik der Sozialwissenschaften voraus. Es geht also nicht allein um die Adaption von Theorien sondern auch um den Einfluss des gesellschaftlichen Umfeldes und der historischen Entwicklungen darauf. Interessant ist dabei vor allem, wie sich die Konzepte im Zuge ihrer Übersetzung in die japanische Sprache und der Anpassung an die gesellschaftlichen Zustände in Japan veränderten. Ishida weist nach, dass dies in zweierlei Hinsicht für die Entwicklung der Sozialwissenschaften problematisch war: Erstens entwickelte sich bei vielen Sozialwissenschaftlern, die westliche Theorien per se als modern ansahen, eine Tendenz zum Dogmatismus, der sich in der Konsequenz verselbstständigte und übersah, dass Theorien letztlich Analyseinstrumente sind. Unkritische Übernahme von Theorien aus dem Ausland führte aber auch zur Gegenreaktion, der Überbetonung des Partikularen in Japan, die sich ganz extrem etwa im Nationalismus der dreißiger und vierziger Jahre äußerte. Ishida benennt eine klaren Ausweg aus dieser Falle: „Um als Sozialwissenschaftler einer nichtwestlichen Gesellschaft einen originären Beitrag zu leisten, müssen wir in Japan in der Tat den Weg, den unsere eigene Sozialwissenschaft zurückgelegt hat, reflektieren.“ (339)
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.68 | 2.23 | 2.22 | 5.2
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Takeshi Ishida: Die Entdeckung der Gesellschaft. Frankfurt a. M.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13372-die-entdeckung-der-gesellschaft_16025, veröffentlicht am 07.11.2008.
Buch-Nr.: 16025
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M. A., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA