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/ 12.06.2013
Thomas Meyer

Die humane Revolution. Plädoyer für eine zivile Lebenskultur

Berlin: Aufbau-Verlag 2001; 160 S.; geb., 15,- €; ISBN 3-351-02517-3
Dieser Essay von Meyer - Professor für Politikwissenschaft an der Universität Dortmund und Mitglied der Programmkommission der SPD - ist ein Versuch, aus den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts Maßstäbe zur politischen Orientierung im Übergang zum 21. Jahrhundert zu gewinnen, die jenseits eines als Realismus getarnten Zynismus liegen. Zu den zentralen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts gehört die ambivalente Verschränkung der "Selbstwiderlegung der Zivilisation in der Barbarei" mit einer "nie gekannt...
Thomas Meyer

Die humane Revolution. Plädoyer für eine zivile Lebenskultur

Berlin: Aufbau-Verlag 2001; 160 S.; geb., 15,- €; ISBN 3-351-02517-3
Dieser Essay von Meyer - Professor für Politikwissenschaft an der Universität Dortmund und Mitglied der Programmkommission der SPD - ist ein Versuch, aus den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts Maßstäbe zur politischen Orientierung im Übergang zum 21. Jahrhundert zu gewinnen, die jenseits eines als Realismus getarnten Zynismus liegen. Zu den zentralen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts gehört die ambivalente Verschränkung der "Selbstwiderlegung der Zivilisation in der Barbarei" mit einer "nie gekannte[n] Ausweitung der Menschenrechte" (15, 19 ff.). An diesem Widerspruch ansetzend versteht Meyer seine Überlegungen als Beitrag zur "Renaissance der politischen Anthropologie" (18), die - mit Bezug auf Helmuth Plessner - in erster Linie jene "erkennbare[n] kulturanthropologische[n] Grenzen für die Zumutungen an Menschen" hervorheben sollen (104), ohne die ein Zusammenleben in Gesellschaft nicht möglich ist. Während die totalitären Bewegungen des 20. Jahrhunderts diese Grenzen in dem Wahn einer unbeschränkten Verfügbarkeit der "condition humaine" ignoriert hätten, werden sie heute durch die Forderung nahezu beliebiger ökonomischer und sozialer Flexibilität verletzt. Demgegenüber entwirft Meyer Grundsätze einer differenzierten Gerechtigkeitspolitik, die einerseits gleiche Zugangschancen zu gesellschaftlichen Grundgütern postulieren, andererseits aber auch - gegen traditionelle linke Positionen - "Maßstäbe und Grenzen der gerechten Ungleichheiten" benennen wollen (150 ff.). Inhalt: Experimente im 20. Jahrhundert: Die Barbarei der Zivilisation. Auschwitz; Der verfügbare Mensch. Kommunismus; Verlorene Gewißheiten. Ideologien und Wissenschaft; Verlorene Traditionen. Verunsichertes Leben. Was bleibt. Unentrinnbare Moderne: Reflexivität. Erste und Zweite Moderne; Differenz. Kulturen und Zivilisation der Moderne; Paradoxien. Die Natur der Moderne; Annäherung. Politische Anthropologie. Was kommt. Ungewisse Aussichten: Labile Zivilität; Prekäre Arbeitswelt; Das Schwinden der Zukunft; Gegenwartsdruck der Medien; Bedrängte Demokratie. Anthropologische Markierungen. Orientierungen sozialer Raum-Zeit-Politik: Politische Anthropologie; Soziale Raum-Zeit-Welten; Zivilisierende Lebenswelt; Spannungsfeld Menschenrechte; Sicherheit und Offenheit; Risiko Parallelgesellschaft; Freiheit und Sicherheit. Ausblicke.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22.232.352.375.422.3 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Thomas Meyer: Die humane Revolution. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14013-die-humane-revolution_16789, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16789 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA