/ 12.06.2013
Kevin Bales
Die neue Sklaverei. Aus dem Englischen von Inge Leipold
München: Verlag Antje Kunstmann 2001; 383 S.; geb., 22,50 €; ISBN 3-88897-264-7Der Autor ist Professor für Soziologie in England und engagiert sich gegen die moderne Sklaverei in Komitees und Arbeitsgruppen von Anti-Slavery International und der UNO. In seinem sehr informativen und gut lesbar geschriebenen Buch analysiert er, welche Formen die neue Sklaverei annimmt und schildert auf der Basis von Forschungen in fünf Ländern die Schicksale, die sich dahinter verbergen. Immer wieder weist Bales darauf hin, dass die moderne Sklaverei uns alle angeht, weil wir alle indirekt v...
Kevin Bales
Die neue Sklaverei. Aus dem Englischen von Inge Leipold
München: Verlag Antje Kunstmann 2001; 383 S.; geb., 22,50 €; ISBN 3-88897-264-7Der Autor ist Professor für Soziologie in England und engagiert sich gegen die moderne Sklaverei in Komitees und Arbeitsgruppen von Anti-Slavery International und der UNO. In seinem sehr informativen und gut lesbar geschriebenen Buch analysiert er, welche Formen die neue Sklaverei annimmt und schildert auf der Basis von Forschungen in fünf Ländern die Schicksale, die sich dahinter verbergen. Immer wieder weist Bales darauf hin, dass die moderne Sklaverei uns alle angeht, weil wir alle indirekt von der Ausbeutung billiger Arbeitskräfte in Entwicklungsländern profitieren. Heutige Sklaven stellen Produkte her, die direkt im Westen verkauft werden (Schuhe, Textilien) oder dazu beitragen, dass hochwertige Produkte wie z. B. Autos billiger produziert werden können. Sklavinnen werden als Dienstbotinnen unter menschenunwürdigen Umständen ausgebeutet, manchmal sogar mitten in Europa. In Ländern wie Thailand werden sie zu Tausenden zur Prostitution gezwungen. Im Unterschied zu früheren Zeiten legen die Ausbeuter jedoch keinen Wert auf den faktischen Besitz der Sklaven. Sie sind vielmehr lediglich ein Wirtschaftsfaktor, der benutzt wird, ohne irgendwelche Verpflichtungen einzugehen oder Kapital zu binden, und den man fallen lässt, sobald der Profit nicht mehr stimmt. Die "just-in-time-Mentalität" der Sklavenhalter spiegelt letztlich nur die Entwicklungen in der Weltwirtschaft. "Die wirtschaftlichen Vorteile kurzfristiger Versklavung überwiegen bei weitem die Kosten dafür, neue Sklaven zu kaufen, wenn man sie braucht." (39) Bales Schilderungen der Verhältnisse in Thailand, Mauretanien, Brasilien, Pakistan und Indien sind für den westeuropäischen Leser erschreckend und bedrückend. Sie erschrecken, weil viele eigentlich geglaubt hatten, wir hätten diese Welt hinter uns gelassen. Sie bedrücken, weil Bales auch aufzeigt, dass wir durch unser wirtschaftliches Verhalten oftmals dazu beitragen, das System der menschenverachtenden Ausbeutung in Gang zu halten. Im letzten Kapitel stellt er deshalb eine Reihe von Möglichkeiten vor, wie wir uns als Konsumenten, aber auch als Staatsbürger gegen die Sklaverei engagieren können.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.43 | 4.42 | 2.65 | 2.67 | 2.68
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Kevin Bales: Die neue Sklaverei. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13997-die-neue-sklaverei_16773, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16773
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M. A., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA