/ 12.06.2013
Carolin Brummet
Die Reform des neuseeländischen Wahlsystems. Ursachen, Prozeß, Auswirkungen
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2000 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 416); 164 S.; brosch., 27,61 €; ISBN 3-631-36966-2Im Jahre 1993 wurde per Referendum das bis dahin in Neuseeland gültige Mehrheitswahlsystem durch ein Verhältniswahlrecht ersetzt. Brummet untersucht, wie es zu dieser Entscheidung kam und welche Auswirkungen auf das Parteiensystem und den politischen Prozess sich bislang feststellen lassen. Thema der Studie ist weniger eine ausführliche theoretische (oder normative) Diskussion der Vor- beziehungsweise Nachteile der beiden Wahlsysteme als vielmehr eine genaue Schilderung und Analyse des Hintergru...
Carolin Brummet
Die Reform des neuseeländischen Wahlsystems. Ursachen, Prozeß, Auswirkungen
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2000 (Europäische Hochschulschriften: Reihe XXXI, Politikwissenschaft 416); 164 S.; brosch., 27,61 €; ISBN 3-631-36966-2Im Jahre 1993 wurde per Referendum das bis dahin in Neuseeland gültige Mehrheitswahlsystem durch ein Verhältniswahlrecht ersetzt. Brummet untersucht, wie es zu dieser Entscheidung kam und welche Auswirkungen auf das Parteiensystem und den politischen Prozess sich bislang feststellen lassen. Thema der Studie ist weniger eine ausführliche theoretische (oder normative) Diskussion der Vor- beziehungsweise Nachteile der beiden Wahlsysteme als vielmehr eine genaue Schilderung und Analyse des Hintergrunds sowie der Ursachen der Reform in Neuseeland. Brummet zeigt, dass die Verzerrungseffekte des früheren neuseeländischen Wahlsystems, die 1978 und 1981 dazu führten, dass die an Prozenten führende Partei weniger Sitze als die zweitplatzierte erhielt, nur ein Grund für die Reform waren. Auf der Basis des von Finer formulierten und von Debnam fortgeführten Konzepts der "Adversary Politics" analysiert die Autorin die Wirtschaftspolitik der beiden großen neuseeländischen Parteien seit 1945 und kommt zu dem Ergebnis, dass mit der Wende Labours zu einem radikalen marktliberalen Kurs die Grundlage für das Westminstermodell - das Vorhandensein unterscheidbarer Alternativen - infrage gestellt war. Die "Legitimitätskrise der Parteien" wurde zum wesentlichen Auslöser für die Wahlrechtsreform. Brummet zeichnet den sich insgesamt über drei Jahre hinziehenden Reformprozess detailliert nach und beschreibt, wie sich die politischen Akteure im neuen System bewegen und sich an die neuen Bedingungen anpassen. So bietet der Band über die Wahlrechtsreform hinaus einen vielseitigen Einblick in die neuseeländische Politik. Die Arbeit basiert erklärtermaßen auf der "skizzenhaften Darstellung verschiedener Theorien und Erklärungshypothesen" (14). Grundlage ist ein erweiterter Public-Choice-Ansatz sowie das lijphartsche Majoritäts- und Konsensmodell; moderne Koalitionstheorien finden ebenso Berücksichtigung wie verschiedene parteientheoretische Überlegungen.
Inhaltsübersicht: Der Analyserahmen: Majoritäts- vs. Konsensmodell; Die Ursachen der Wahlreform; Der Prozeß der Wahlreform - Mixed Member Proportional (MMP) als Thema der politischen Agenda; Die bevorstehende Einführung von MMP als Motor einer dynamischen Entwicklung - zur Transitionsphase 1993 bis 1996; Die Situation nach der ersten MMP-Wahl - Ist-Analyse und Perspektiven nach 1996; Neuseeland nach der Änderung des konstitutionellen Designs.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.66 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Carolin Brummet: Die Reform des neuseeländischen Wahlsystems. Frankfurt a. M. u. a.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13782-die-reform-des-neuseelaendischen-wahlsystems_16525, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16525
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Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
CC-BY-NC-SA