/ 11.06.2013
Die Sprache der Stasi
Christian Bergmann
Die Sprache der Stasi. Ein Beitrag zur Sprachkritik
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1999 (Kleine Reihe V & R 4012); 133 S.; ISBN 3-525-34012-5Der spezifische Wortschatz und die Eigentümlichkeiten des Sprachgebrauchs, wie sie sich aus den hinterlassenen Akten des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR ermitteln lassen, bilden den Gegenstand dieser Untersuchung. Dabei geht es dem Autor nicht darum, "die sprachlichen Niederungen der Staatssicherheit vor Augen (zu) führen" (6). Ziel der Analyse ist vielmehr, "das in der Sprache sichtbar werdende Denken" beziehungsweise "das Menschen- und Weltbild zu erschließen, das den Form...
Christian Bergmann
Die Sprache der Stasi. Ein Beitrag zur Sprachkritik
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1999 (Kleine Reihe V & R 4012); 133 S.; ISBN 3-525-34012-5Der spezifische Wortschatz und die Eigentümlichkeiten des Sprachgebrauchs, wie sie sich aus den hinterlassenen Akten des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR ermitteln lassen, bilden den Gegenstand dieser Untersuchung. Dabei geht es dem Autor nicht darum, "die sprachlichen Niederungen der Staatssicherheit vor Augen (zu) führen" (6). Ziel der Analyse ist vielmehr, "das in der Sprache sichtbar werdende Denken" beziehungsweise "das Menschen- und Weltbild zu erschließen, das den Form...
Christian Bergmann
Die Sprache der Stasi. Ein Beitrag zur Sprachkritik
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1999 (Kleine Reihe V & R 4012); 133 S.; kart., 19,80 DM; ISBN 3-525-34012-5Der spezifische Wortschatz und die Eigentümlichkeiten des Sprachgebrauchs, wie sie sich aus den hinterlassenen Akten des Ministeriums für Staatssicherheit der ehemaligen DDR ermitteln lassen, bilden den Gegenstand dieser Untersuchung. Dabei geht es dem Autor nicht darum, "die sprachlichen Niederungen der Staatssicherheit vor Augen (zu) führen" (6). Ziel der Analyse ist vielmehr, "das in der Sprache sichtbar werdende Denken" beziehungsweise "das Menschen- und Weltbild zu erschließen, das den Formulierungen zugrunde liegt" (6). Der Autor hat dazu, über die Auswertung des "Wörterbuch[s] der politisch-operativen Arbeit" sowie der Richtlinien und Durchführungsbestimmungen des ehemaligen MfS hinaus, vor allem auf die von der Gauck-Behörde in Berlin verwalteten Aktenbestände zurückgegriffen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse stellt er in vier thematischen Kapiteln zur Bedeutungsnorm des Begriffes "Aufklärung" im Sprachgebrauch des MfS, zur Kennzeichnung des Menschen als dem Objekt geheimdienstlicher Arbeit, zu exemplarischen Wortfeldern ("lügen", "verleumden", "Klassenfeind") sowie zum Einfluss der Struktur des geheimdienstlichen Apparates auf den Sprachgebrauch im MfS vor. Das abschließende fünfte Kapitel behandelt demgegenüber Einflüsse von Geheim-, Amts- und Militärsprache auf die untersuchten Sprachphänomene. Gerade hier wird allerdings deutlich, dass im Sprachgebrauch der "Stasi"-Mitarbeiter zwar originäre Begriffsbildungen und normative Bedeutungsverschiebungen mit dem Ziel der bewussten Verschleierung von Sachverhalten und Handlungsweisen nachgewiesen werden können, diese Abweichungen vom allgemeinsprachlichen Gebrauch im Wesentlichen aber auch ein typisches Merkmal der bürokratisch-institutionellen Sprachebene insgesamt darstellen. Deren kritische Bewertung beziehungsweise moralische Verurteilung, so stellt auch der Autor resümierend fest, als "sprachliche Militanz" oder "Mißbrauch der Sprache" (106) richtet sich letztlich nach der Bewertung der faktischen Ergebnisse und praktischen Folgen des geheimdienstlichen oder staatspolizeilichen Handelns.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.314 | 2.24
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Christian Bergmann: Die Sprache der Stasi. Göttingen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12313-die-sprache-der-stasi_14710, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 14710
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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