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/ 11.06.2013
Stefanie Christmann / Dieter S. Lutz

Die Zerstörung der Vernunft in Zeiten des Krieges. Zum Demokratieverlust nach 1989

Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2000; 282 S.; ISBN 3-7466-7024-1
Am Anfang dieser passagenweise bis an die Grenze zur Polemik argumentierenden, ihre Quellen nicht immer eindeutig nachweisenden Streitschrift steht die Frage der Autorin nach den Gründen für die "Akzeptanz demokratieunwürdiger, sich jeder Vernunft versagender Politik, die sich im Kosovokrieg manifestierte" (9). Ihr einleitendes Kapitel "Vernunft zu vernünftig zu beugen, wird modern - schließlich sind wir wieder wer!" konstatiert zehn Jahre nach der Wiedervereinigung eine weitgehende politische A...
Stefanie Christmann / Dieter S. Lutz

Die Zerstörung der Vernunft in Zeiten des Krieges. Zum Demokratieverlust nach 1989

Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2000; 282 S.; 18,90 DM; ISBN 3-7466-7024-1
Am Anfang dieser passagenweise bis an die Grenze zur Polemik argumentierenden, ihre Quellen nicht immer eindeutig nachweisenden Streitschrift steht die Frage der Autorin nach den Gründen für die "Akzeptanz demokratieunwürdiger, sich jeder Vernunft versagender Politik, die sich im Kosovokrieg manifestierte" (9). Ihr einleitendes Kapitel "Vernunft zu vernünftig zu beugen, wird modern - schließlich sind wir wieder wer!" konstatiert zehn Jahre nach der Wiedervereinigung eine weitgehende politische Apathie in der deutschen Gesellschaft und stellt das Problem, ob Vernunft und Demokratie im politischen Prozess "re-animiert werden" können (9). Unter dem Titel "Repräsentativer Absolutismus macht sich breit" untersucht die Autorin im zweiten Kapitel Veränderungen im Selbstbild und Machtverständnis der politischen Klasse in Deutschland während der 90er-Jahre. Das anschließende Kapitel "Krieg ist das Versagen der Politik - Frieden das Meisterwerk der Vernunft" des Koautors beinhaltet eine grundsätzliche Kritik an der rechtlichen Grundlage des NATO-Bombardements in Jugoslawien und fasst die Prinzipien einer mit dem Völkerrecht und dem Grundgesetz zu vereinbarenden Sicherheitsordnung zusammen, die regionale Konflikte einzugrenzen und zu überwinden geeignet wäre. Im Kapitel "Demokratieverrat zum Zweck und als Konsequenz des Krieges" rekonstruiert die Autorin anhand öffentlicher Stellungnahmen und Bundestagserklärungen insbesondere grüner und sozialdemokratischer Politiker die graduelle Verschiebung des politischen Diskurses bis hin zur mehrheitlichen Akzeptanz der Luftangriffe gegen Jugoslawien im Frühjahr 1999 und schließt mit der betont zugespitzten Frage: "Führt ein Weg von der Oligarchie zurück zur Demokratie?" (253) Hierfür scheint ihr vor allem das Abgehen vom traditionellen Rollenmuster des "starken Mannes" in der Außen- und Sicherheitspolitik von zentraler Bedeutung.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 4.212.3314.41 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Stefanie Christmann / Dieter S. Lutz: Die Zerstörung der Vernunft in Zeiten des Krieges. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12206-die-zerstoerung-der-vernunft-in-zeiten-des-krieges_14573, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 14573 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA