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/ 12.06.2013
Carola Stern

Doppelleben. Eine Autobiographie

Köln: Kiepenheuer & Witsch 2001; 318 S.; geb., 20,40 €; ISBN 3-462-02981-9
"Doppelleben" ist eigentlich zu kurz gegriffen für die bewegte Vita einer der wichtigsten und bekanntesten deutschen Publizistinnen. Aufgewachsen im Dritten Reich marschierte die damalige Erika Asmus, die sich erst später den Namen zulegte, unter dem sie bekannt wurde, als Jungmädel-Führerin mit, bis sie den ganzen Irrsinn einsah. Aber die eine Diktatur wurde in ihrer Heimat Usedom durch eine andere ersetzt und bald fand Stern sich als Schülerin an der Kaderschule der SED, der Parteihochschule, ...
Carola Stern

Doppelleben. Eine Autobiographie

Köln: Kiepenheuer & Witsch 2001; 318 S.; geb., 20,40 €; ISBN 3-462-02981-9
"Doppelleben" ist eigentlich zu kurz gegriffen für die bewegte Vita einer der wichtigsten und bekanntesten deutschen Publizistinnen. Aufgewachsen im Dritten Reich marschierte die damalige Erika Asmus, die sich erst später den Namen zulegte, unter dem sie bekannt wurde, als Jungmädel-Führerin mit, bis sie den ganzen Irrsinn einsah. Aber die eine Diktatur wurde in ihrer Heimat Usedom durch eine andere ersetzt und bald fand Stern sich als Schülerin an der Kaderschule der SED, der Parteihochschule, wieder - allerdings erst nachdem sie von den Amerikanern als Geheimdienstagentin angeworben worden war. Kurz bevor sie aufflog, wechselte sie dann in den Westen, wo sie zunächst lange als Lektorin bei Kiepenheuer & Witsch arbeitete, bis ihre Karriere als Journalistin beim WDR begann. Ihre Autobiographie durchzieht ein Hauch von Wehmut über die vergangene Zeit, wie sollte es anders sein. Aber sie ist gepaart mit dem Staunen über die Fülle des Erlebten und Erreichten. Oft genug hat der Zufall in ihrem Leben Regie geführt. Viele aus der ersten Reihe, besonders der linken politischen und intellektuellen bundesdeutschen Prominenz kreuzten dabei ihren Weg. Die Schilderungen von Sterns Begegnungen mit Männern wie Willy Brandt, Gustav Heinemann, Erich Fried, Heinrich Böll und vielen anderen machen das Buch zu einem lebendigen Zeugnis der deutschen Geschichte, wenn auch aus subjektiver Sicht. Im engeren Sinne politikwissenschaftlich ist es nicht. Im Gegenteil, es ist auf anrührende Weise persönlich und sagt viel über den Menschen Carola Stern aus. Die Geschichte ihrer Konflikte und Verstrickungen, aufrichtig, lebendig und ohne Beschönigungen erzählt, enthält dennoch genügend Facetten, um sie auch für Leser und Leserinnen interessant zu machen, die mehr über Zeitläufte der Nachkriegsentwicklung in Deutschland und die handelnden Personen erfahren wollen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.32.333 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Carola Stern: Doppelleben. Köln: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13996-doppelleben_16772, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16772 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA