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/ 11.06.2013
Eckhard Jesse (Hrsg.)

Eine Revolution und ihre Folgen. 14 Bürgerrechtler ziehen Bilanz

Berlin: Ch. Links Verlag 2000; 328 S.; ISBN 3-86153-223-9
Vierzehn ehemalige DDR-Bürgerrechtler hatte Jesse, renommierter Extremismus- und Totalitarismusforscher, im Wintersemester 1999/2000 zur Teilnahme an einer Ringvorlesung nach Dresden eingeladen und sie gebeten, ihrem Vortrag einen Fragenkatalog zu Grunde zu legen: Gefragt wurde nach den Gründen für ihre oppositionelle Haltung, ihrer Position zur Wende, ihrer heutigen Einstellung und ihrer Gesamteinschätzung zur Lage des wiedervereinigten Deutschland. So unterschiedlich sich die damaligen Opposit...
Eckhard Jesse (Hrsg.)

Eine Revolution und ihre Folgen. 14 Bürgerrechtler ziehen Bilanz

Berlin: Ch. Links Verlag 2000; 328 S.; brosch., 38,- DM; ISBN 3-86153-223-9
Vierzehn ehemalige DDR-Bürgerrechtler hatte Jesse, renommierter Extremismus- und Totalitarismusforscher, im Wintersemester 1999/2000 zur Teilnahme an einer Ringvorlesung nach Dresden eingeladen und sie gebeten, ihrem Vortrag einen Fragenkatalog zu Grunde zu legen: Gefragt wurde nach den Gründen für ihre oppositionelle Haltung, ihrer Position zur Wende, ihrer heutigen Einstellung und ihrer Gesamteinschätzung zur Lage des wiedervereinigten Deutschland. So unterschiedlich sich die damaligen Oppositionellen heute politisch positionieren, so verschieden fielen auch ihre Antworten aus. Allerdings gibt es auch Gemeinsamkeiten: Niemand der Angesprochenen tendiert zu einer extremen Partei; niemand hält es für sinnvoll, sich in DDR-Nostalgie zu ergehen; und nahezu alle (bis auf Richter und Schorlemmer) haben Abschied genommen von der Vorstellung eines "dritten Weges". Sind die Stellungnahmen von ehemaligen Oppositionellen, die nun über eine Innenansicht beider deutscher Systeme verfügen, schon als solche interessant, so macht noch ein weiterer Faktor dieses Buch so lesenswert: Die existenzielle Erfahrung der Krisis gibt der Politik eine Tiefendimension, die wohl noch der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsgeneration vertraut war, aber demjenigen fremd sein muss, der in den Verhältnissen einer gesicherten und fraglos gewordenen demokratischen Ordnung aufgewachsen ist. Dieser andere, eben existenziellere Zugang zur Politik ist sicher einer der großen Aktivposten, den ehemalige DDR-Bürger in den nun gemeinsamen politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess einbringen können. Inhalt: Jens Reich: "Ich habe mich in der DDR nie zu Hause gefühlt" Pressebericht über den Vortrag von Jens Reich am 19.10.1999 (26-41); Konrad Weiß: "Was macht ihr, wenn ihr die Macht habt?" Pressebericht über den Vortrag von Konrad Weiß am 26.10.1999. (42-60); Marianne Birthler: "Wir hatten diese DDR satt!" Pressebericht über den Vortrag von Marianne Birthler am 2.11.1999 (62-74); Vera Lengsfeld: "Der Stalinismus ist eine Entzerrung des Kommunismus zur Kenntlichkeit" Pressebericht über den Vortrag von Vera Lengsfeld am 9.11.1999 (76-91); Günter Nooke: "Wir trauten uns nicht, die auf der Straße liegende Macht aufzuheben" Pressebericht über den Vortrag von Günter Nooke am 16.11.1999 (92-109); Wolfgang Templin: "Nicht nur staatliche Wiedervereinigung, sondern auch gesellschaftliche Neuvereinigung" Pressebericht über den Vortrag von Wolfgang Templin am 23.11.1999 (110-124); Markus Meckel: "Für eine Einmischung in die eigenen Angelegenheiten" Pressebericht über den Vortrag von Markus Meckel am 29.11.1999 (126-140); Ehrhart Neubert: "Der Kommunismus in mir ist endgültig gestorben" Pressebericht über den Vortrag von Ehrhart Neubert am 7.12.1999 (142-157); Freya Klier: "Stapelweise Modrow, Gysi, Kant und Genossen" Pressebericht über den Vortrag von Freya Klier am 14.12.1999 (158-172); Rainer Eppelmann: "Jetzt wird dein Leben ganz anders" Pressebericht über den Vortrag von Rainer Eppelmann am 4.1.2000 (174-191); Edelbert Richter: "Als hätte es 1989 nicht gegeben" Pressebericht über den Vortrag von Edelbert Richter am 11.1.2000 (192-207); Ulrike Poppe: "Gesperrt für sämtlichen Reiseverkehr bis zum 31.12.1999" Pressebericht über den Vortrag von Ulrike Poppe am 18.1.2000 (208-223); Friedrich Schorlemmer: "Im falschen gab es wahres Leben" Pressebericht über den Vortrag von Friedrich Schorlemmer am 25.1.2000 (224-239); Joachim Gauck: "Die Entscheidung fiel für ein erprobtes Politikmodell" Pressebericht über den Vortrag von Joachim Gauck am 1.2.2000 (240-255); Eckhard Jesse: Oppositionelle Bestrebungen in den achtziger Jahren und ihre Repräsentanten (257-324).
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.3152.314 Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: Eckhard Jesse (Hrsg.): Eine Revolution und ihre Folgen. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13044-eine-revolution-und-ihre-folgen_15632, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15632 Rezension drucken
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