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/ 11.06.2013
Sabine Gürtler

Elementare Ethik. Alterität, Generativität und Geschlechterverhältnis bei Emmanuel Lévinas

München: Wilhelm Fink Verlag 2001 (Übergänge 41); 430 S.; 39,88 €; ISBN 3-7705-3541-3
Philosoph. Habilitationsschrift Gießen; Gutachter: M. Seel. - Diese Darstellung von Lévinas' Ethik des moralischen Subjekts aus der Beziehung zum anderen Menschen heraus, die sich, so die These, nur über die Phänomene der Geschlechterdifferenz und der Generativität erschließen lässt, ist vorwiegend von philosophischem Interesse. Da sich allerdings bei Lévinas aus dem Anspruch des nächsten Anderen an das Ich eine prinzipiell unbegrenzbare Verantwortung des Ichs ableitet (Kapitel 4), stellt sich i...
Sabine Gürtler

Elementare Ethik. Alterität, Generativität und Geschlechterverhältnis bei Emmanuel Lévinas

München: Wilhelm Fink Verlag 2001 (Übergänge 41); 430 S.; 39,88 €; ISBN 3-7705-3541-3
Philosoph. Habilitationsschrift Gießen; Gutachter: M. Seel. - Diese Darstellung von Lévinas' Ethik des moralischen Subjekts aus der Beziehung zum anderen Menschen heraus, die sich, so die These, nur über die Phänomene der Geschlechterdifferenz und der Generativität erschließen lässt, ist vorwiegend von philosophischem Interesse. Da sich allerdings bei Lévinas aus dem Anspruch des nächsten Anderen an das Ich eine prinzipiell unbegrenzbare Verantwortung des Ichs ableitet (Kapitel 4), stellt sich in Kapitel 5 (175-196) die Frage, in welchem Verhältnis dazu die Gerechtigkeitsansprüche aller Anderen, der Dritten, stehen. In der Interpretation Gürtlers endet der Gleichbehandlungsanspruch der Gerechtigkeit nicht in einer Indifferenz zwischen dem Nächsten und den Dritten durch eine vorrangige Beziehung zwischen mir und meinem Nächsten: Es besteht ein Primat der Ethik vor der Politik. Die Ansprüche der beiden Seiten sind also asymmetrisch und dennoch unbegrenzt, sodass aufgrund des endlichen Ichs nur ein gewaltsames Vermitteln zwischen beiden bleibt. Eine gerechte Gesellschaft muss für die Verantwortung dem Nächsten gegenüber Platz lassen, denn "'je gerechter ich bin, desto schuldiger bin ich'" (186). Provokant kann man von Gerechtigkeit als Gnade und von einem Vorrang positiver Pflichten sprechen, wobei gerade nicht gilt: "Du kannst, denn Du sollst" (188). Im 7. Kapitel (269-318) stellt sich dann auf dem Hintergrund der Geschlechtlichkeit die Beziehung zum Nächsten als die durch Liebe gestiftete Familienbeziehung dar, die den totalitären Forderungen eines politischen Gemeinwesens entgegensteht.
Guido Koch (GK)
Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Rubrizierung: 5.425.442.27 Empfohlene Zitierweise: Guido Koch, Rezension zu: Sabine Gürtler: Elementare Ethik. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13139-elementare-ethik_15744, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15744 Rezension drucken
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