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/ 11.06.2013
Wolfgang Mönninghoff

Enteignung der Juden. Wunder der Wirtschaft. Erbe der Deutschen

Hamburg/Wien: Europa Verlag 2001; 304 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-203-80075-6
Der Autor gibt eine umfassende, systematisch aufgebaute Darstellung dessen, was im zeitgenössischen Sprachgebrauch im "Dritten Reich" als "Arisierung" bezeichnet wurde, ein Euphemismus für die mit vielfältigen Mitteln erzwungene Enteignung jüdischen Privateigentums durch den NS-Staat. Die Untersuchung legt zunächst die rechtlichen Voraussetzungen dar, die zur massenhaften und letztlich nahezu vollständigen Enteignung der jüdischen Bevölkerung geschaffen wurden, und skizziert die ideologische Leg...
Wolfgang Mönninghoff

Enteignung der Juden. Wunder der Wirtschaft. Erbe der Deutschen

Hamburg/Wien: Europa Verlag 2001; 304 S.; geb., 19,90 €; ISBN 3-203-80075-6
Der Autor gibt eine umfassende, systematisch aufgebaute Darstellung dessen, was im zeitgenössischen Sprachgebrauch im "Dritten Reich" als "Arisierung" bezeichnet wurde, ein Euphemismus für die mit vielfältigen Mitteln erzwungene Enteignung jüdischen Privateigentums durch den NS-Staat. Die Untersuchung legt zunächst die rechtlichen Voraussetzungen dar, die zur massenhaften und letztlich nahezu vollständigen Enteignung der jüdischen Bevölkerung geschaffen wurden, und skizziert die ideologische Legitimation der Zwangsmaßnahmen im Rahmen der Judenverfolgung. Im Anschluss wendet sich der Autor in einer Reihe von Fallstudien der Durchführung dieser Politik in verschiedenen Bereichen der deutschen Wirtschaft (Warenhäuser, Großindustrie, Tabakindustrie, Banken) sowie im Kulturbereich den privaten Kunstsammlungen zu. Am Beispiel einiger ausgewählter Städte weist er dabei auch regionale Unterschiede in der Enteignungspraxis nach. Die Verschärfung der Enteignungspolitik im Jahr 1938 ("Anschluß" Österreichs und "Reichskristallnacht") wird in einem weiteren Kapitel behandelt, ebenso wie der Abschluss der Enteignungen während des Krieges 1939 bis 1945. Die folgenden Kapitel ziehen schließlich eine umfassend dokumentierte Bilanz der dauerhaften Wirksamkeit der Enteignungsakte in den beiden deutschen Nachfolgestaaten Bundesrepublik und DDR. Hier setzt sich der Autor sowohl mit der mangelnden Bereitschaft der Enteignungsprofiteure (großen wie kleinen Kalibers) auseinander, Vermögens- und Eigentumswerte zurückzuerstatten, wie auch mit dem langjährigen Ausbleiben einer generellen Feststellung der Unrechtmäßigkeit der gesamten Enteignungsmaßnahmen seitens der deutschen Staaten wie der deutschen Gesellschaft. Eine Erörterung der damit zusammenhängenden Debatten über Rückerstattung und Entschädigung in jüngster Zeit bildet den Abschluss der Studie.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.3122.35 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Wolfgang Mönninghoff: Enteignung der Juden. Hamburg/Wien: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12742-enteignung-der-juden_15253, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15253 Rezension drucken
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