/ 11.06.2013
Susanne Omran
Frauenbewegung und "Judenfrage" Diskurse um Rasse und Geschlecht nach 1900
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2000; 522 S.; kart., 39,88 €; ISBN 3-593-36564-2Diss. Dortmund. - Die Arbeit will deutlich machen, "in welcher Weise die Frauenbewegung unter dem Blickwinkel des Geschlechts einen konstitutiven Beitrag zur Formierung der 'Judenfrage' geleistet hat" (14). Zu diesem Zweck untersucht sie Diskurse, auf denen eine Verknüpfung von Geschlecht und "Rasse" hergestellt wurde. Diese Diskursebenen sind "die Großstadt, in deren Milieus spezifischen Unterschiedswahrnehmungen und Assimilierungen Raum gegeben wird [...]; das Geld, das individuelle Interessen...
Susanne Omran
Frauenbewegung und "Judenfrage" Diskurse um Rasse und Geschlecht nach 1900
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2000; 522 S.; kart., 39,88 €; ISBN 3-593-36564-2Diss. Dortmund. - Die Arbeit will deutlich machen, "in welcher Weise die Frauenbewegung unter dem Blickwinkel des Geschlechts einen konstitutiven Beitrag zur Formierung der 'Judenfrage' geleistet hat" (14). Zu diesem Zweck untersucht sie Diskurse, auf denen eine Verknüpfung von Geschlecht und "Rasse" hergestellt wurde. Diese Diskursebenen sind "die Großstadt, in deren Milieus spezifischen Unterschiedswahrnehmungen und Assimilierungen Raum gegeben wird [...]; das Geld, das individuelle Interessen und kollektive Bedürfnisse hervortreten und miteinander kollidieren lässt [...]; der Krieg, der die Kräfte der Gemeinschaft gegen innere und äußere Feinde mobilisiert [...]; und schließlich die Fortpflanzung, die die Erhaltung der Rasse garantiert" (17). Am Anfang des Bandes steht eine Übersicht über antisemitische Positionen, am Ende eine Fallstudie über das Denken einer jüdischen Frauenrechtlerin. Die Diskurse werden unter dem Blickwinkel der von Frauenrechtlerinnen (ein besonderes Augenmerk gilt Gertrud Bäumer) veröffentlichten Schriften ausführlich betrachtet und nicht nur auf die "Judenfrage" bezogen; der Untertitel des Bandes ist zutreffend, denn auch andere Minderheiten und Außenseiter werden in die Untersuchung mit einbezogen.
Inhaltsübersicht: 1. Konstellationen von Judentum und Weiblichkeit: 1.1 Differenzierungen des Antisemitismus; 1.2 Rasse und Norm; 1.3 Antisemitismus und Geschlechterdiskurs; 1.4 Kulturelle Bedeutung der Geschlechterdifferenz im Selbstverständnis der Frauenbewegung. 2. "Sinnlich erregte Treibhausatmosphären": Die Großstadt und ihre Seuchen: 2.1 Die Nervosität des Großstädters und das Verschwinden von Differenz; 2.2 Sittlichkeit und Prostitution; 2.3 Entartungszeichen in der Kultur: Die Geschlechtskrankheiten. 3. "Aufsaugung der Güter durch den Kapitalismus": Kritik moderner Wirtschaftsformen: 3.1 Frauen, Juden und die Genese des Kapitalismus; 3.2 Wirtschaftsphysiognomien; 3.3 Unbezahlbar weiblich. 4. "Mütter sterben hundert Tode": Kriegsschauplätze des Weiblichen: 4.1 Weibliche Wehrhaftigkeit; 4.2 Kriegsdienst im deutschen Haushalt; 4.3 Machteffekte des Opfers; 4.4 Sexualität und Krieg. 5. "Der kraftvolle Wille zur Mutterschaft": Bevölkerungspolitik: 5.1 Der Geburtenrückgang; 5.2 Mutterschaft und Askese; 5.3 Die 'neue Ethik'; 5.4 Rassenhygiene und Liebe. 6. Schlussbetrachtung: Frauen- und Judenfrage bei Henriette Fürth.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.27 | 2.36 | 2.35 | 2.312 | 2.311
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Susanne Omran: Frauenbewegung und "Judenfrage" Frankfurt a. M./New York: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12609-frauenbewegung-und-judenfrage_15075, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15075
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA