/ 11.06.2013
Gesellschaftliche Steuerung
Dirk Koob
Gesellschaftliche Steuerung. Selbstorganisation und Netzwerke in der modernen Politikfeldanalyse
Marburg: Tectum Verlag 1999 (Politikwissenschaften 9); 207 S.; ISBN 3-8288-8082-7Innerhalb der Politikwissenschaft dürfte kaum noch umstritten sein, dass ein unitaristisches Politikmodell, demzufolge der Staat als zentraler Akteur gesellschaftliche Prozesse zielgerichtet gestalte, die Realität einer hochgradig ausdifferenzierten Gesellschaft längst nicht mehr trifft. Stattdessen wird die Debatte über politische Steuerung vielfach als eine über Steuerungsprobleme bzw. Steuerungsdefizite des Staates geführt. Allerdings ist das in solchen Kontexten verwendete Konzept von "Steue...
Dirk Koob
Gesellschaftliche Steuerung. Selbstorganisation und Netzwerke in der modernen Politikfeldanalyse
Marburg: Tectum Verlag 1999 (Politikwissenschaften 9); 207 S.; ISBN 3-8288-8082-7Innerhalb der Politikwissenschaft dürfte kaum noch umstritten sein, dass ein unitaristisches Politikmodell, demzufolge der Staat als zentraler Akteur gesellschaftliche Prozesse zielgerichtet gestalte, die Realität einer hochgradig ausdifferenzierten Gesellschaft längst nicht mehr trifft. Stattdessen wird die Debatte über politische Steuerung vielfach als eine über Steuerungsprobleme bzw. Steuerungsdefizite des Staates geführt. Allerdings ist das in solchen Kontexten verwendete Konzept von "Steue...
Dirk Koob
Gesellschaftliche Steuerung. Selbstorganisation und Netzwerke in der modernen Politikfeldanalyse
Marburg: Tectum Verlag 1999 (Politikwissenschaften 9); 207 S.; 49,80 DM; ISBN 3-8288-8082-7Innerhalb der Politikwissenschaft dürfte kaum noch umstritten sein, dass ein unitaristisches Politikmodell, demzufolge der Staat als zentraler Akteur gesellschaftliche Prozesse zielgerichtet gestalte, die Realität einer hochgradig ausdifferenzierten Gesellschaft längst nicht mehr trifft. Stattdessen wird die Debatte über politische Steuerung vielfach als eine über Steuerungsprobleme bzw. Steuerungsdefizite des Staates geführt. Allerdings ist das in solchen Kontexten verwendete Konzept von "Steuerung" oft unklar und nicht zuletzt deshalb besteht ein wichtiges Verdienst der Studie von Koob in dem Insistieren, dass es sich hier um einen theoretischen Begriff handelt, der abhängig ist von den jeweils zugrunde gelegten Modellannahmen. Durchaus nicht nur auf politisch-administrative Handlungsbereiche bezogen, will der Autor zu einer Klärung jener Kriterien beitragen, die die Auswahl einer zur Analyse spezifischer Steuerungsprobleme adäquaten Steuerungstheorie erlauben (12). Für diese Zwecke diskutiert er in einer metatheoretischen Perspektive repräsentative Konzeptionen, die sich teils am Modell (autopoietischer) Systemtheorie (30 ff.), teils an Ansätzen der Rational-Choice-Theory orientieren (60 ff.). Den Abschluss bildet ein eigener Vorschlag, der Elemente des akteurzentrierten Institutionalismus (Mayntz / Scharpf) mit entscheidungstheoretischen Annahmen verbindet (177 ff.).
Inhaltsübersicht: 2. Empirische Problembasis und makrosoziologische Konzeptualisierung sozietaler Steuerung: 2.1 Gesellschaftliche Integrations- und staatliche Steuerungsprobleme in modernen Demokratien; 2.2 Perspektivische Orientierungsfunktion und heuristischer Nutzen der Theorie(n) gesellschaftlicher Differenzierung. 3. Grundlagen systemtheoretischer Steuerungsmodelle: 3.1 Allgemeine Aspekte wissenschaftlicher Modellbildung; 3.2 Selbstorganisation und Radikaler Konstruktivismus. 4. Steuerungstheoretische Modellierung und kommunikationstheoretische Systemvariante: 4.1 Selbststeuerung und soziale Systeme - Luhmanns Autopoiesiskonzeption; 4.2 "Luhmann-light"? "Dezentrale Kontextsteuerung" - Ein Steuerungsmodell für einen "supervidierenden" Staat. 5. Kritik der kommunikationstheoretischen Steuerungsmodellierungen: 5.1 Konzeptimmanente Kritik; 5.2 Metakritik: 5.2.1 Positionsbestimmung: Die Theorie rationalen Handelns; 5.2.2 Reflexion, Kognition, Lernprozesse und der implizite Rekurs auf Individualkategorien; 5.2.3 Zur 'Rationalität' systemischer Eigenrationalität; 5.2.4 Exkurs: Zur Rekonstruktion sozialer Realität. 6. Über Defizitbeseitigung und modelltheoretische Notwendigkeiten - Akteure und Autopoiesis: 6.1 "Mediales Steuerungskonzept"; 6.2 Rationales Handeln in akteurtheoretischen Systemansätzen. 7. Zwischenbilanz: Selbststeuerung, Steuerung, Kausalität – Eine explanative steuerungstheoretische Orientierung; 8. Handlungstheoretische Konzepte sozietaler Steuerung: 8.1 Politikverflechtung, Policy-Analyse und Neo-Korporatismus; 8.2 Netzwerkmodelle: 8.2.1 Der "akteurzentrierte Institutionalismus"; 8.2.2 Zum institutionentheoretischen Gehalt sozietaler Steuerung. 9. Sozietale Steuerungsprozesse - Grundlegung eines Erklärungsmodells.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.21 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Dirk Koob: Gesellschaftliche Steuerung. Marburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12373-gesellschaftliche-steuerung_14783, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14783
Rezension drucken
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
CC-BY-NC-SA