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/ 11.06.2013
Christa Zöchling

Haider. Licht und Schatten einer Karriere

Wien: Molden Verlag 1999; 222 S.; ISBN 3-85485-025-5
Wenngleich gute Lesbarkeit und lebendige Sprache nicht allein entscheidende Kriterien eines Sachbuches sind, so sei doch gleich zu Beginn hervorgehoben: Diese Biographie hebt sich wohltuend von den oft viele hundert Seiten füllenden kleingedruckten Werken ab, an die man sich bei Politikerbiographien schon fast gewöhnt hat. Die publizistische Art der Darstellung wird aber zugleich zu einem der größten Schwachpunkte: Das Buch ist unter politikwissenschaftlichen Aspekten nur schwer zu gebrauchen. Z...
Christa Zöchling

Haider. Licht und Schatten einer Karriere

Wien: Molden Verlag 1999; 222 S.; geb., 41,- DM; ISBN 3-85485-025-5
Wenngleich gute Lesbarkeit und lebendige Sprache nicht allein entscheidende Kriterien eines Sachbuches sind, so sei doch gleich zu Beginn hervorgehoben: Diese Biographie hebt sich wohltuend von den oft viele hundert Seiten füllenden kleingedruckten Werken ab, an die man sich bei Politikerbiographien schon fast gewöhnt hat. Die publizistische Art der Darstellung wird aber zugleich zu einem der größten Schwachpunkte: Das Buch ist unter politikwissenschaftlichen Aspekten nur schwer zu gebrauchen. Zum einen geht Zöchling mit Zitaten und Textbelegen eher freimütig um, sodass - insbesondere in dem so diffizilen Abschnitt über "Haiders Gedankenreich" - häufig nicht erkennbar ist, ob es sich um eine Paraphrase von genannten Textstellen handelt oder bereits um eigene Überlegungen der Autorin. Dass der Großteil ihrer Belege der allgemeinen Presse entnommen ist, ist aus wissenschaftlicher Sicht noch weniger bedenklich als so manch populärpsychologische Ferndiagnose in dem Stil: "Seine Manipulationen kommen von innen, vom Herzen, und sie bauen auf Neid und Mißgunst" (211). Es ist aber bei alledem darauf hinzuweisen, dass in der breiten Reihe von publizistischen Werken über den Kärntner Landeshauptmann Zöchling einen vergleichsweise neutralen Berichtsstil pflegt. Die Biographie vermittelt denn auch überwiegend den Eindruck, die Autorin habe die eigenen Ansichten zurückgenommen, um der (vor allem politischen) Person Haiders gerecht zu werden. Nicht immer jedoch gelingt es ihr, sich der eigenen Ansichten (88) oder Werturteile zu enthalten: Von Haiders "primitive[r] Weltanschauung" und "paranoide[r] Geisteshaltung" (beide 151) etwa ist zu lesen. Insgesamt legt Zöchling hier ein Buch vor, das dem politisch Interessierten einiges an Hintergrundinformationen, dem Politikwissenschaftler jedoch nur wenig verwendbares Material an die Hand geben wird. Inhalt: Der Komödiant und das Theater; Die Kindheit eines Chefs; Der blinde Fleck; Der Zurückgebliebene aus 1968; Gelandet in Kärnten; Die Machtergreifung; Haiders Gedankenreich; Der Ausgrenzer der Parteifreunde; Die Gefahren des Etablierten; Schlußpunkt in eigener Sache.
Leslie Piert (LP)
Rubrizierung: 2.42.1 Empfohlene Zitierweise: Leslie Piert, Rezension zu: Christa Zöchling: Haider. Wien: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12229-haider_14600, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 14600 Rezension drucken
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