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/ 12.06.2013
Alfons Kenkmann / Christoph Spieker (Hrsg.)

Im Auftrag. Polizei, Verwaltung und Verantwortung. Begleitband zur gleichnamigen Dauerausstellung-Geschichtsort Villa ten Hompel

Essen: Klartext 2001 (Schriften/Villa ten Hompel 1); 372 S.; brosch., 19,89 €; ISBN 3-88474-970-6
Seit dem Wiener Kongress war Münster die Provinzialhauptstadt von Westfalen und zahlreiche Behörden fanden hier ihren Sitz. In der Villa ten Hompel residierte während des Nationalsozialismus der Befehlshaber der Ordnungspolizei, der für das heutige Gebiet NRW zuständig war. "Er koordinierte den regionalen Einsatz der Polizisten im Luftschutz, aber auch in den Polizeibataillonen. Damit trug seine Behörde auch die Verantwortung für die polizeiliche Beteiligung an der Aufrechterhaltung des Unrechts...
Alfons Kenkmann / Christoph Spieker (Hrsg.)

Im Auftrag. Polizei, Verwaltung und Verantwortung. Begleitband zur gleichnamigen Dauerausstellung-Geschichtsort Villa ten Hompel

Essen: Klartext 2001 (Schriften/Villa ten Hompel 1); 372 S.; brosch., 19,89 €; ISBN 3-88474-970-6
Seit dem Wiener Kongress war Münster die Provinzialhauptstadt von Westfalen und zahlreiche Behörden fanden hier ihren Sitz. In der Villa ten Hompel residierte während des Nationalsozialismus der Befehlshaber der Ordnungspolizei, der für das heutige Gebiet NRW zuständig war. "Er koordinierte den regionalen Einsatz der Polizisten im Luftschutz, aber auch in den Polizeibataillonen. Damit trug seine Behörde auch die Verantwortung für die polizeiliche Beteiligung an der Aufrechterhaltung des Unrechtsstaats und am Genozid." (11) Der Titel der Ausstellung und des Buches soll das "Spezifische administrativen Handelns" herausstellen: Mit "i. A." unterschreibt nicht derjenige, "der entscheidet, sondern ein subalterner Beamter vollzieht emotionslos einen Auftrag". Dieses "Schisma der Aufteilung von Verantwortung und Handeln gilt bis heute" (18) und deshalb geht die Intention der Ausstellung dahin, Verwaltungsangehörige "für Menschenrechte missachtende Vorgänge [zu sensibilisieren], die auf Schreibtischen 'im Auftrag' gezeichnet wurden" (11) - ein Anliegen, das keineswegs überflüssig oder gar anrüchig ist in einer Zeit, in der noch immer (oder schon wieder?!) Verwaltungshandeln im Zusammenhang mit Minderheiten nicht selten in einer rechtlichen Grauzone vonstatten geht und die Bereitschaft von Vollzugsbeamten zur Remonstration wenig ausgeprägt zu sein scheint. Da kann die Erinnerung daran, "daß ohne die Unterstützung der Behörden die nationalsozialistische Herrschaft nicht hätte errichtet und stabilisiert werden können" (11), nur gut tun. Die Beiträge behandeln zum einen Geschehnisse von vor 1945, zum anderen widmen sie sich aber auch der Aufarbeitung der Geschichte nach 1945. Inhalt: I. Ausstellung: Alfons Kenkmann / Christoph Spieker: Die nationalsozialistische Ordnungspolizei als Konstrukt zwischen Wunschbild und Weltanschauung (17-37). II. Bildteil; III. Beiträge: Bernd-A. Rusinek: "Ordnung" - Anmerkungen zur Karriere eines Begriffs (104-111); Peter Leßmann-Faust: Die preußische Schutzpolizei in Rheinland und Westfalen vor der Diktatur (112-129); Thomas Köhler: Anstiftung zu Versklavung und Völkermord. "Weltanschauliche Schulung" durch Literatur. Lesestoff für Polizeibeamte während des "Dritten Reichs" (130-158); Florian Dierl: Das Hauptamt Ordnungspolizei 1936 bis 1945 - Führungsspitze und die Befehlshaber in den Wehrkreisen (159-175); Christoph Spieker: Export von Münster nach Den Haag: BdO Dr. Heinrich Lankenau (1891-1983) (176-191); Christoph Spieker: Die Befehlshaber der Ordnungspolizei im Wehrkreis VI - biographische Skizzen (192-199); Stefan Klemp: "50 Kommunisten aufgehängt, 350 Häuser niedergebrannt". Der Einsatz des Reserve-Polizei-Bataillons 64 auf dem Balkan 1941-1943 (200-224); Moritz Felix Lück: Partisanenbekämpfung durch SS und Polizei in Weißruthenien 1943: Die Kampftruppe von Gottberg (225-248); Daniel Schmidt: "Der große Weltenbrand 1939-1945". Erfahrungswelt und Alltag eines Polizeibeamten im Nationalsozialismus (249-265); Gabriele Lotfi: Die frühe Nachkriegszeit - Polizeibehörden in der Villa ten Hompel 1945 bis 1953 (266-277); Stefan Klemp: "Ab nach Sibirien?" Zur Sanktionierungspraxis gegenüber Polizeibeamten des Dritten Reichs: Der Fall des Polizeibataillons 9 (278-300); Michaiel Okroy: "Man will unserem Batl. was tun...". Der Wuppertaler Bialystok-Prozeß 1967/68 und die Ermittlungen gegen Angehörige des Polizeibataillons 309 (301-317); Michael Okroy: Allegorie mit Hakenkreuz und Rune. Zum Fund eines NS-Wandgemäldes im Polizeipräsidium Wuppertal (318-324); Wolfgang Kopitzsch: Polizei im "Dritten Reich" - ein Thema in der polizeilichen Aus- und Fortbildung heute? (325-333); Wolfgang Kroker: Ehrenamtliche Bildungsarbeit zur Polizeigeschichte in der Landespolizei Schleswig-Holstein (324-341); Julia Volmer: Zur Hausgeschichte nach 1945. Die Villa ten Hompel 1953 bis 1968. "Wiedergutmachung" an einem Täterort (342-364).
Detlef Lemke (LE)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.3122.3112.3132.35 Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: Alfons Kenkmann / Christoph Spieker (Hrsg.): Im Auftrag. Essen: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14030-im-auftrag_16809, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16809 Rezension drucken
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