/ 12.06.2013
Claudia Wegener
Informationsvermittlung im Zeitalter der Unterhaltung. Eine Langzeitanalyse politischer Fernsehmagazine
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2001 (Studien zur Kommunikationswissenschaft 47); 248 S.; brosch., 25,05 €; ISBN 3-531-13592-9Diss. Bielefeld; Gutachter: D. Baacke. - Seit Einführung des dualen Rundfunksystems sind die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten unter Druck geraten. Sie konkurrieren mit den privaten Anbietern um Werbeeinnahmen und Zuschauer. Die Jagd nach der Gunst des Publikums führt auch zur Veränderung von Programminhalten und -formen. Besonders dem Fernsehen wird nachgesagt, zunehmend extreme Gewaltdarstellungen zu zeigen, Strukturen und Zusammenhänge zu personalisieren und Information auf Sensation oder...
Claudia Wegener
Informationsvermittlung im Zeitalter der Unterhaltung. Eine Langzeitanalyse politischer Fernsehmagazine
Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2001 (Studien zur Kommunikationswissenschaft 47); 248 S.; brosch., 25,05 €; ISBN 3-531-13592-9Diss. Bielefeld; Gutachter: D. Baacke. - Seit Einführung des dualen Rundfunksystems sind die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten unter Druck geraten. Sie konkurrieren mit den privaten Anbietern um Werbeeinnahmen und Zuschauer. Die Jagd nach der Gunst des Publikums führt auch zur Veränderung von Programminhalten und -formen. Besonders dem Fernsehen wird nachgesagt, zunehmend extreme Gewaltdarstellungen zu zeigen, Strukturen und Zusammenhänge zu personalisieren und Information auf Sensation oder Unterhaltung zu reduzieren (12). Inwieweit sich die öffentlich-rechtlichen Sender den privaten Anbietern angenähert haben, untersucht die Autorin am Beispiel der politischen Magazine. Zunächst stellt sie die verschiedenen Magazine der öffentlich-rechtlichen Sender vor und erläutert Kennzeichen und Aufgaben dieser informationsorientierten Sendungen. Es stört ein wenig, dass die Autorin die Magazine fast nur aus ihrem eigenen Selbstverständnis heraus darstellt und dafür häufig nicht einmal den Konjunktiv verwendet. Zwischen 1985 und 1998 hat Wegener die politischen Magazine daraufhin untersucht, inwieweit sie politikferner, personalisierter und emotionalisierter geworden sind. Insgesamt hat sie eine große Dynamik vor allem der formalen Aufbereitung der Inhalte festgestellt. Es habe sich eine größere Vielfalt der Inhalte entwickelt, die mit einer stärkeren Visualisierung sowie mit Tendenzen einer Homogenisierung journalistischer Darstellungsformen einhergehe (206). Während in den Magazinen privater Anbieter 80 Prozent der Beiträge keinen politischen Bezug haben, hat sich der Anteil der "explizit politischen Berichterstattung, die sich auf Staat und Parteien bezieht", in den Magazinen der öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht verringert (175). Extreme Gewaltdarstellungen sind eher zurückgegangen. Die Möglichkeit für Politiker, in den Magazinen ein Forum für ihre Meinungen zu finden, hat sich verringert. Die Aussagelängen politischer Akteure sind von durchschnittlich 70 auf 22 Sekunden gesunken (207). Die Chancen zur Selbstinszenierung einzelner Personen seien dadurch zurückgegangen, die Möglichkeiten für journalistische Eigenleistungen hätten sich hingegen erhöht (191). Bemerkenswert ist auch der bereits in anderen Arbeiten nachgewiesene Zusammenhang zwischen Politikinteresse und der Bevorzugung öffentlich-rechtlicher Sender. Nichtwähler entscheiden sich weitaus häufiger für Unterhaltungssendungen (52). Die politischen Magazine seien deshalb kaum in der Lage, den "bestehenden Wissensklüften zwischen hoch und niedrig Gebildeten entgegenzuwirken" kritisiert die Autorin und schlägt deshalb vor, im Bereich des politischen Informationsprogramms Sendungen anzubieten, die "sich an die populäre Straßenverkaufszeitung 'Bild'" anlehnten (214 f.).
Inhalt: 2. Die Informationsleistung des Fernsehens im dualen Rundfunksystem; 3. Politische Magazine im Fernsehen; 4. Information im "Zeitalter der Unterhaltung"; 5. Strategien affektiver Akzentuierung nicht-fiktionaler Informationssendungen.
Henry Krause (HK)
Dipl.-Politologe, Referatsleiter, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
Rubrizierung: 2.333
Empfohlene Zitierweise: Henry Krause, Rezension zu: Claudia Wegener: Informationsvermittlung im Zeitalter der Unterhaltung. Wiesbaden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14125-informationsvermittlung-im-zeitalter-der-unterhaltung_16920, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16920
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Dipl.-Politologe, Referatsleiter, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.
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