/ 12.06.2013
Bernhard Grau
Kurt Eisner. 1867-1919. Eine Biographie
München: C. H. Beck 2001; 651 S.; geb., 50,11 €; ISBN 3-406-47158-7Geschichtswiss. Diss. München; Gutachter: F. Prinz, M. Krauss. - Der Autor, Archivrat beim Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München, nennt das Schlusskapitel seiner Arbeit "Verkannt, verachtet, verklärt - Facetten einer sperrigen Persönlichkeit" (449). Das ist eine prägnante Zusammenfassung der Verzerrungen, mit denen Eisners Bild in der Geschichte versehen wurde. Es ist bemerkenswert, und nicht nur aus dem Schicksal als Märtyrer zu erklären, wie Eisner bis heute für emotionale Betrachtungen sor...
Bernhard Grau
Kurt Eisner. 1867-1919. Eine Biographie
München: C. H. Beck 2001; 651 S.; geb., 50,11 €; ISBN 3-406-47158-7Geschichtswiss. Diss. München; Gutachter: F. Prinz, M. Krauss. - Der Autor, Archivrat beim Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München, nennt das Schlusskapitel seiner Arbeit "Verkannt, verachtet, verklärt - Facetten einer sperrigen Persönlichkeit" (449). Das ist eine prägnante Zusammenfassung der Verzerrungen, mit denen Eisners Bild in der Geschichte versehen wurde. Es ist bemerkenswert, und nicht nur aus dem Schicksal als Märtyrer zu erklären, wie Eisner bis heute für emotionale Betrachtungen sorgt. Andererseits war es bislang noch kaum gelungen, die Verzerrungen und Verdächtigungen im Eisner-Bild wirklich aus der Welt zu räumen, die auf die Verleumdungen seiner Feinde und Mörder zurückgehen. Um historische Nüchternheit bemüht sich stattdessen die Arbeit von Grau, die auf eine Vielzahl von archivalischen Quellen beruht. Hauptstück ist der hier erstmals systematisch ausgewertete Eisner-Nachlass, der lange im ehemaligen SED-Archiv für die Forschung unzugänglich war. Bereits der Perspektivenwechsel von den wenigen Wochen als Ministerpräsident in Bayern hin zu dem langjährigen und ebenso erfolgreichen wie wichtigen Wirken Eisners in der sozialdemokratischen Presse (und als Parteipolitiker) trägt dazu bei, das Eisner-Bild zu erneuern. Auch die geistige Anbindung an den Marburger Neukantianismus wird von Grau bestätigend relativiert. Sicherlich wird dieser Band die leidenschaftliche Auseinandersetzung um Eisner nicht beenden. Aber er gibt dieser Auseinandersetzung einen neuen Ausgangspunkt und eine solide historische Basis.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.311
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Bernhard Grau: Kurt Eisner. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14005-kurt-eisner_16781, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16781
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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