/ 12.06.2013
Joachim Radkau
Natur und Macht. Eine Weltgeschichte der Umwelt
München: C. H. Beck 2000; 438 S.; geb., 29.65 €; ISBN 3-406-46044-5Bereits in prähistorischer Zeit haben Menschen durch Brandwirtschaft, Jagd und Viehzucht, durch Wanderfeldbau und Waldweide ihre Umwelt weiträumig verändert und beeinflusst. Vielfach haben sie dabei die unvorhergesehenen Folgen ihres Handelns zu spüren bekommen. Weltgeschichte ist also schon immer - so der Ansatz dieser Arbeit - von den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt bestimmt worden. Der Autor schlägt einen weiten Bogen von den Sammlern und Jägern bis hin zur zeitgenössischen Konsum...
Joachim Radkau
Natur und Macht. Eine Weltgeschichte der Umwelt
München: C. H. Beck 2000; 438 S.; geb., 29.65 €; ISBN 3-406-46044-5Bereits in prähistorischer Zeit haben Menschen durch Brandwirtschaft, Jagd und Viehzucht, durch Wanderfeldbau und Waldweide ihre Umwelt weiträumig verändert und beeinflusst. Vielfach haben sie dabei die unvorhergesehenen Folgen ihres Handelns zu spüren bekommen. Weltgeschichte ist also schon immer - so der Ansatz dieser Arbeit - von den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt bestimmt worden. Der Autor schlägt einen weiten Bogen von den Sammlern und Jägern bis hin zur zeitgenössischen Konsumgesellschaft. Er versucht zu zeigen, dass sich Menschen seit Urzeiten gleich verhalten: Wo immer sie aufgetaucht seien, haben sie die Natur verändert, und manchmal sei aus der Veränderung Zerstörung geworden, die Zerstörung jedoch habe später neue Landschaften hervorgebracht, um deren Erhaltung heute gerungen werde. "In Wirklichkeit mündet die Umweltgeschichte nicht in eine Geschichte der Umweltpolitik [...], sie bleibt im Kern eine Geschichte des Ungeplanten und Unerwarteten, der stets instabilen Symbiose von Mensch und Natur" (339). So kommt der Autor zu seiner Prognose, dass auf "eine effektive Globalsteuerung der Mensch-Umwelt-Beziehungen keinerlei Aussicht besteht und die Politik mitsamt ihren Institutionen der Komplexität und Wandelbarkeit der Umweltprobleme nur begrenzt gewachsen ist" (339).
Von politologischem Interesse ist das dritte Kapitel, in dem es um "Wasser, Wald und Macht" geht. Behandelt werden Wasserbau, Herrschaft und ökologische Kettenreaktionen, dargestellt an Beispielen aus Ägypten und Mesopotamien, Indonesien und China, den Wasserbaukulturen von Venedig und Holland. Erstmals tritt hier Umwelt als ein gegen den Eigennutz zu verteidigendes Gemeingut in Erscheinung. Entwaldung, Rodungsprogramme und Forstordnungen werden anhand von Beispielen aus Europa untersucht. Dem Kolonialismus ist das vierte Kapitel gewidmet. Die Beispiele reichen hier vom Mongolenreich über die Kolonialgeschichte Indiens bis zum Raubbau an Wald, Wild und Boden in Nordamerika. In den letzen Kapiteln geht der Autor unter anderem der Frage nach den Interessen im Zusammenhang mit "Natur- oder Heimatschutz" in Deutschland ebenso wie Vorstellungen von einer "nationalen Natur" in den Vereinigten Staaten nach.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.261
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Joachim Radkau: Natur und Macht. München: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14103-natur-und-macht_16893, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16893
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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