/ 11.06.2013
Andreas Suchanek
Normative Umweltökonomik. Zur Herleitung von Prinzipien rationaler Umweltpolitik
Tübingen: Mohr Siebeck 2000 (Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften 111); VIII, 234 S.; ISBN 3-16-147284-5Wirtschaftswiss. Habilitationsschrift Katholische Universität Eichstätt. - Das Ziel der Arbeit ist es, eine geeignete Theorie für eine Konzeption rationaler Umweltpolitik zu entwickeln. Zu diesem Zweck werden zwei theoretische Ansätze miteinander verglichen: die wohlfahrtstheoretische Umweltökonomie in der Tradition von Pigou und die normative Umweltökonomik, die auf Coase, Buchanan und von Hayek aufbaut. Wohlfahrtsökonomisch betrachtet besteht die Aufgabe der Umweltpolitik in der Internalisieru...
Andreas Suchanek
Normative Umweltökonomik. Zur Herleitung von Prinzipien rationaler Umweltpolitik
Tübingen: Mohr Siebeck 2000 (Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften 111); VIII, 234 S.; Ln., 98,- DM; ISBN 3-16-147284-5Wirtschaftswiss. Habilitationsschrift Katholische Universität Eichstätt. - Das Ziel der Arbeit ist es, eine geeignete Theorie für eine Konzeption rationaler Umweltpolitik zu entwickeln. Zu diesem Zweck werden zwei theoretische Ansätze miteinander verglichen: die wohlfahrtstheoretische Umweltökonomie in der Tradition von Pigou und die normative Umweltökonomik, die auf Coase, Buchanan und von Hayek aufbaut. Wohlfahrtsökonomisch betrachtet besteht die Aufgabe der Umweltpolitik in der Internalisierung externer Effekte; ausgehend von dem Referenzmodell des vollkommenen Marktes (ohne externe Effekte) wird unter Berücksichtigung der Kosten und des Nutzens des Umweltschutzes dessen optimales Niveau bestimmt. Doch die Bestimmung eines solchen Optimums, so Suchanek, stellt "sowohl eine Überschätzung der theoretischen Erkenntnis- als auch der politischen Steuerungs- und Kontrollmöglichkeiten" dar (73); zudem werden durch die Verengung der Perspektive auf das Problem der effizienten Allokation von Ressourcen die spezifische Funktion von Institutionen und die Bedingungen für die Zustimmung zu deren Veränderung vernachlässigt (5).
Diese Probleme überwindet die normative Umweltökonomik, die von der Frage ausgeht: "Warum haben rationale Akteure die externen Effekte nicht immer schon internalisiert?" (86) Ihr geht es nicht um die Optimierung des Ressourceneinsatzes, sondern darum, Umweltprobleme als eine Dilemmastruktur im Sinne des Gefangenendilemmas zu interpretieren. Die Überwindung der Dilemmastruktur erfolgt durch eine Veränderung der Verfügungsrechte, also durch die Schaffung oder Veränderung von Institutionen; Voraussetzung für die Überwindung (und damit für die Implementation der Umweltschutzmaßnahme) ist die Zustimmung der Beteiligten. Die Aufgabe einer normativen Umweltökonomik besteht also darin, in einer gegebenen Situation die möglichen Kooperationsgewinne der Beteiligten zu analysieren und eine institutionelle Alternative zu bestimmen, deren Implementation die erforderliche Zustimmung findet. - Die Arbeit besticht durch ihren klaren Aufbau, eine präzise Argumentation sowie die überzeugende Rückführung konkreter umweltpolitischer Probleme auf die Frage nach den theoretischen Prinzipien der Umweltpolitik. Doch es fragt sich, ob Suchaneks optimistische Einschätzung der Möglichkeit allseitiger Zustimmung eigennutzmaximierender Individuen zu Umweltschutzmaßnahmen tatsächlich von einem reinen Pluralismus (15) ausgehen kann, oder ob sie nicht eine bestimmte normative Ausrichtung beziehungsweise Grundübereinstimmung dieser Individuen voraussetzt.
Hendrik Hansen (HH)
Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 2.261 | 2.341 | 2.262 | 5.45
Empfohlene Zitierweise: Hendrik Hansen, Rezension zu: Andreas Suchanek: Normative Umweltökonomik. Tübingen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12716-normative-umweltoekonomik_15220, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15220
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Dr., Lehrbeauftragter, Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
CC-BY-NC-SA