/ 12.06.2013
Prozessbeobachtungsgruppe Guben (Hrsg.)
Nur ein Toter mehr ... Alltäglicher Rassismus in Deutschland und die Hetzjagd von Guben
Hamburg/Münster: Unrast 2001 (Reihe antifaschistischer Texte 10); 171 S.; brosch., 10,- €; ISBN 3-89771-806-5Im brandenburgischen Guben verblutete im Februar 1999 ein Algerier, der von einer Gruppe Neonazis verfolgt wurde und in Todesangst in eine Glastür gesprungen war, um sich im Hauseingang zu verstecken. Das Buch zeichnet den Umgang mit dieser Tat nach, der - so die Autorinnen und Autoren - über weite Strecken von Verharmlosung und Relativierung gekennzeichnet war. Es entsteht der Eindruck, dass der latente Rassismus vieler, aber auch die Angst, potenzielle Investoren abzuschrecken, eine angemessen...
Prozessbeobachtungsgruppe Guben (Hrsg.)
Nur ein Toter mehr ... Alltäglicher Rassismus in Deutschland und die Hetzjagd von Guben
Hamburg/Münster: Unrast 2001 (Reihe antifaschistischer Texte 10); 171 S.; brosch., 10,- €; ISBN 3-89771-806-5Im brandenburgischen Guben verblutete im Februar 1999 ein Algerier, der von einer Gruppe Neonazis verfolgt wurde und in Todesangst in eine Glastür gesprungen war, um sich im Hauseingang zu verstecken. Das Buch zeichnet den Umgang mit dieser Tat nach, der - so die Autorinnen und Autoren - über weite Strecken von Verharmlosung und Relativierung gekennzeichnet war. Es entsteht der Eindruck, dass der latente Rassismus vieler, aber auch die Angst, potenzielle Investoren abzuschrecken, eine angemessene Auseinandersetzung mit dem Geschehen verhinderte. Das Ergebnis waren u. a. ein unerträglicher Umgang mit den Opfern, ein teilweise lächerlich geringes Strafmaß für die Täter in der ersten Instanz, aber auch öffentliche Äußerungen von Politikern wie "Was hatte der denn nachts auf der Straße zu suchen?" (13). Das Buch bietet eine Mischung aus Interviews, Prozessbeobachtungen und Analysen unterschiedlicher Aspekte und versucht so nicht nur den Fall Farid Guendoul/Omar ben Noui nachzuzeichnen, sondern zugleich auch deutlich zu machen, wie alltäglich rassistisches Denken ist. Allerdings schießen pauschalierende Verallgemeinerung wie "Und so setzen die jugendlichen Täter im Skinhead-Outfit lediglich den Wunsch eines großen Teils der deutschen Bevölkerung in die Tat um." (116 f.) über das Ziel hinaus; ein solcher gesamtgesellschaftlicher Bezug bedürfte durchaus einer differenzierteren Herleitung und ausführlicheren Begründung.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Prozessbeobachtungsgruppe Guben (Hrsg.): Nur ein Toter mehr ... Hamburg/Münster: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13955-nur-ein-toter-mehr-_16726, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16726
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
CC-BY-NC-SA