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/ 11.06.2013
Michael Gehler

Österreichs Außenpolitik der Zweiten Republik. Von der alliierten Besatzung bis zum Europa des 21. Jahrhunderts

Innsbruck/Wien: Studien Verlag 2005; 1.292 S.; 144,90 €; ISBN 3-7065-1414-1
Der Autor, Historiker an der Universität Innsbruck, legt mit diesen zwei Bänden die erste Gesamtdarstellung der österreichischen Außenpolitik vor. Dabei handelt es sich um ein ambitioniertes Projekt, da die Akten des österreichischen Bundeskanzleramtes sowie des erst seit 1959 eigenständig operierenden Außenministeriums in weiten Teilen nicht zugänglich sind. Die Basis seiner Arbeit bilden daher umfassende Literaturarbeiten und Quellenstudien in anderen Archiven. Die verschiedenen Phasen der öst...
Michael Gehler

Österreichs Außenpolitik der Zweiten Republik. Von der alliierten Besatzung bis zum Europa des 21. Jahrhunderts

Innsbruck/Wien: Studien Verlag 2005; 1.292 S.; 144,90 €; ISBN 3-7065-1414-1
Der Autor, Historiker an der Universität Innsbruck, legt mit diesen zwei Bänden die erste Gesamtdarstellung der österreichischen Außenpolitik vor. Dabei handelt es sich um ein ambitioniertes Projekt, da die Akten des österreichischen Bundeskanzleramtes sowie des erst seit 1959 eigenständig operierenden Außenministeriums in weiten Teilen nicht zugänglich sind. Die Basis seiner Arbeit bilden daher umfassende Literaturarbeiten und Quellenstudien in anderen Archiven. Die verschiedenen Phasen der österreichischen Außenpolitik vom Kriegsende 1945 über den Staatsvertrag 1955 und den Boykott der EU-Staaten gegen die Regierung Schüssel/Haider im Jahr 2000 bis zur Gegenwart werden systematisch aufgearbeitet. Die historische Bilanz ist in der Fülle ihrer Details überwältigend und ausgehend von den Zielsetzungen der österreichischen Außenpolitik überwiegend positiv. Die stupende Materialfülle (die Anmerkungen umfassen mehr als 200 Seiten) verstellt aber gleichzeitig den Blick für eine stärker systematische Analyse, denn die konsequente Durchdringung des Stoffes, die dem Leser neben den zahllosen Details auch stärker die großen Linien der Außenbeziehungen vermitteln könnte, ist nicht die Stärke des Werkes. In der Bewertung weist Gehler mit seiner fast 1.300 Seiten starken Bestandsaufnahme der sechs Jahrzehnte Wiener Diplomatie nicht nur auf Licht-, sondern auch auf Schattenseiten hin. Allgemein beklagt der Autor z. B., dass Außenpolitik in Österreich selbst seit dem EU-Beitritt vor allem ein „Elitenprojekt“ sei, d. h. nur eine sehr kleine Personengruppe führe den außenpolitischen Diskurs und die Zahl der außenpolitischen Experten in den politischen Parteien lasse sich an den Fingern einer Hand abzählen.
Markus Kaim (MK)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Forschungsgruppe "Sicherheitspolitik", Stiftung Wissenschaft und Politik, Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Berlin.
Rubrizierung: 4.222.4 Empfohlene Zitierweise: Markus Kaim, Rezension zu: Michael Gehler: Österreichs Außenpolitik der Zweiten Republik. Innsbruck/Wien: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12920-oesterreichs-aussenpolitik-der-zweiten-republik_15486, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 15486 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA