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/ 12.06.2013
Reinhold Michels

Otto Schily. Eine Biographie

Stuttgart/München: Deutsche Verlags-Anstalt 2001; 238 S.; geb., 20,35 €; ISBN 3-421-05467-3
An Schily scheiden sich die Geister. In früheren Zeiten als Anwalt von RAF-Terroristen stand er lange Zeit unter dem Generalverdacht staatsumstürzlerischer Tendenzen. Für viele ist er deshalb bis heute ein rotes Tuch. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, wie der Journalist Michels in seiner kenntnisreich geschriebenen Biographie betont. Schily blieb all die Jahre hindurch seinen Leitlinien treu, die vor allem im unbedingten Respekt vor gesetzlichen Regeln und im Glauben an die Be...
Reinhold Michels

Otto Schily. Eine Biographie

Stuttgart/München: Deutsche Verlags-Anstalt 2001; 238 S.; geb., 20,35 €; ISBN 3-421-05467-3
An Schily scheiden sich die Geister. In früheren Zeiten als Anwalt von RAF-Terroristen stand er lange Zeit unter dem Generalverdacht staatsumstürzlerischer Tendenzen. Für viele ist er deshalb bis heute ein rotes Tuch. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, wie der Journalist Michels in seiner kenntnisreich geschriebenen Biographie betont. Schily blieb all die Jahre hindurch seinen Leitlinien treu, die vor allem im unbedingten Respekt vor gesetzlichen Regeln und im Glauben an die Bedeutung von Institutionen bestehen. Es ist deshalb keineswegs als ein Bruch anzusehen, dass der ehemalige führende Politiker der Grünen, Ende der Achtzigerjahre zur SPD übertrat und mit dem Amt des Innenministers den Gipfel seiner politischen Karriere erklommen hat. Schily bleibt auch hier seinen Überzeugungen treu. Vor diesem Hintergrund wirkten sein Eintreten für verstärkte polizeiliche Überwachungsmaßnahmen oder seine Kommentare zur Ausländerpolitik nicht mehr ganz so befremdlich wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Michels stellt Schily keineswegs als prototypisch linken Politiker vor. Das war er auch während seiner Zeit bei den Grünen nie. Stets etwas distanziert wirkend, aber wegen seiner manchmal schneidenden, in vielen Gerichtsprozessen als Anwalt geschulten Argumentation gefürchtet, schien er nie ganz dazuzugehören. Und in der SPD geht es ihm ähnlich: Dem Spätberufenen fehlt der Stallgeruch. Dass er trotzdem ein so hohes Amt erreichen konnte, spricht in erster Linie für seine Sachkompetenz. Ein Politiker, der Koalitionen schmiedet, integrierend Mehrheiten sucht und nach außen wirkt, ist er nach Michels Meinung bis heute nicht. Für ihn ist Schilys Leben hinsichtlich der Grundüberzeugungen von Kontinuitäten geprägt, aber durch einschneidende Lebensentscheidungen auch von markanten Diskontinuitäten durchzogen.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.32.331 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Reinhold Michels: Otto Schily. Stuttgart/München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13884-otto-schily_16645, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16645 Rezension drucken
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