/ 12.06.2013
Edith Meinhart / Ulla Schmid
Spin Doktoren. Die hohe Schule der politischen Manipulation
Wien: Czernin Verlag 2000; 224 S.; brosch., 19,48 €; ISBN 3-7076-0012-2Die beiden Redakteurinnen des österreichischen Nachrichtenmagazins "profil" liefern eine kenntnisreiche und spannend geschriebene Beobachtung der Veränderung von Wahlkämpfen, die sie überwiegend an den Nationalratswahlen 1999 in Österreich festmachen und überzeugend in amerikanische und weitere europäische Trends der Wahlkampfkommunikation einbetten. Besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle der Spin-Doktoren, jenen politischen Beratern, die dafür verantwortlich sind, dass die Berichterstattung ü...
Edith Meinhart / Ulla Schmid
Spin Doktoren. Die hohe Schule der politischen Manipulation
Wien: Czernin Verlag 2000; 224 S.; brosch., 19,48 €; ISBN 3-7076-0012-2Die beiden Redakteurinnen des österreichischen Nachrichtenmagazins "profil" liefern eine kenntnisreiche und spannend geschriebene Beobachtung der Veränderung von Wahlkämpfen, die sie überwiegend an den Nationalratswahlen 1999 in Österreich festmachen und überzeugend in amerikanische und weitere europäische Trends der Wahlkampfkommunikation einbetten. Besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle der Spin-Doktoren, jenen politischen Beratern, die dafür verantwortlich sind, dass die Berichterstattung über ihr politisches "Produkt" den richtigen Dreh bekommt. Aufgrund ihrer Kenntnisse von Kampagnemachern und Parteipolitikern identifizieren Meinhart und Schmid etwa Andreas Rudas, den ehemaligen ORF-Manager und späteren SPÖ-Bundesgeschäftsführer als einflussreiche Person, die - geschult vom amerikanischen und britischen Vorbild - an der Modernisierung des Image der Sozialdemokraten bastelte. Die letztliche Wahlniederlage des SPÖ-Chefs Viktor Klima, einem nach Spin-Gesichtspunkten idealen Kandidaten, deuten Meinhart und Schmid auch als Grenze des Spin-Doctoring beziehungsweise als Hinweis auf die Gefahren des "Over-Spin". Kommunikationsstrategien Jörg Haiders werden an mehreren Stellen analysiert. Exkurse zur Entwicklung von Wahlkämpfen inner- und außerhalb Österreichs fügen die Befunde der Alpenrepublik zu einem Trend, den Meinhart und Schmid ansatzweise als Amerikanisierung bezeichnen - nicht jedoch ohne zugleich auf strukturelle Unterschiede zu US-amerikanischen Wahlkämpfen hinzuweisen. Vielgerühmte Spin-Doctors, die die österreichischen Parteien vor den Wahlen importiert hatten, mussten schnell realisieren, wie eng ihre Konzepte doch an die Struktur des amerikanischen politischen Systems gebunden sind. Umgekehrt ist nicht alles "neu", was als "neu" gepriesen wird. Bruno Kreisky beherrschte nach Meinung von Meinhart und Schmid schon einige Jahre vor der Konzentration auf das Spin-Doctoring mediengerechte Fähigkeiten und setzte diese ebenso ein wie die Parteien schon früh (wenn auch etwas zaghaft) professionelle Meinungsforschung beauftragten: "Kreisky agierte 'aus dem Bauch heraus' [...] - aber wie er agierte, könnte einem aktuellen Lehrbuch über politische Kommunikation entnommen sein - und macht ihn posthum zum Urvater des spin doctoring." (79) Abschließend werfen Meinhart und Schmid die Frage nach dem Spin der Medien unter dem Motto "Wer manipuliert hier wen?" (210) auf. Viele der Beobachtungen und Erkenntnisse des Buches lassen sich eng mit der bundesrepublikanischen Entwicklung verknüpfen. Mit zahlreichen anekdotenhaften Einblicken kann sich das Buch an dem selbstgewählten Anspruch messen, "dass der Vorhang ein wenig zur Seite geschoben werden konnte und die Leser und Leserinnen einen Einblick erhalten, wie in der heutigen Mediengesellschaft Politik gemacht wird" (9).
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.22 | 2.4
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Edith Meinhart / Ulla Schmid: Spin Doktoren. Wien: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13602-spin-doktoren_16296, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 16296
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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