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/ 11.06.2013
Thomas Fröhlich

Staatsdenken im China der Republikzeit (1912-1949) Die Instrumentalisierung philosophischer Ideen bei chinesischen Intellektuellen

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2000 (Campus Forschung 820); 410 S.; kart., 45,- €; ISBN 3-593-36635-5
Sinolog. Diss. Hamburg, Gutachter: M. Friedrich. - Die Arbeit beginnt mit einer Frage: "Weshalb nochmals Ding Wenjiang, Zhang Junmai, Hu Shi und Chen Duxiu?" (13) Diesen vier Protagonisten gilt das Hauptaugenmerk des Autors, und wenn auch das Denken und die Persönlichkeit dieser vier chinesischen Staatstheoretiker für Sinologen vertraut sein mag, gilt dies für Politikwissenschaftler ohne Spezialkenntnisse vermutlich in geringerem Ausmaße. Alle vier werden zwischen 1879 und 1891 geboren, entstamm...
Thomas Fröhlich

Staatsdenken im China der Republikzeit (1912-1949) Die Instrumentalisierung philosophischer Ideen bei chinesischen Intellektuellen

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2000 (Campus Forschung 820); 410 S.; kart., 45,- €; ISBN 3-593-36635-5
Sinolog. Diss. Hamburg, Gutachter: M. Friedrich. - Die Arbeit beginnt mit einer Frage: "Weshalb nochmals Ding Wenjiang, Zhang Junmai, Hu Shi und Chen Duxiu?" (13) Diesen vier Protagonisten gilt das Hauptaugenmerk des Autors, und wenn auch das Denken und die Persönlichkeit dieser vier chinesischen Staatstheoretiker für Sinologen vertraut sein mag, gilt dies für Politikwissenschaftler ohne Spezialkenntnisse vermutlich in geringerem Ausmaße. Alle vier werden zwischen 1879 und 1891 geboren, entstammen guten Verhältnissen, durchlaufen eine klassische Ausbildung und erweitern ihre Kenntnisse durch Auslandsstudien in unterschiedlichen Ländern. Wieder in China, beeinflussen sie die intellektuellen Debatten der Zeit und nehmen zugleich unterschiedlich gewichtige politische und Verwaltungsämter ein. Politisch ist das ganze Spektrum von hohen Funktionen auf nationalistischer Seite über kritische Distanz bis hin zur kommunistischen Parteitätigkeit vertreten. Im Kern der Arbeit stehen vier biographisch angelegte Fallstudien, die eingeleitet werden durch eine Untersuchung der "Expertokratie" (43 ff.) beziehungsweise der Debatte um das, was Fröhlich als entpolitisierte, technokratische Ordnung kennzeichnet. Er untersucht, inwieweit europäische denkerische Traditionen hierfür Bedeutung gewonnen haben. Eine Schlüsselstellung weist er der Debatte um Wissenschaft und Metaphysik zu, an der sich ab 1923 alle vier Theoretiker beteiligt haben. Hierbei spielen auch immer wieder Fragen nach dem richtigen Aufbau des politischen Gemeinwesens eine Rolle, nach klassischer Tradition und modernem Pluralismus. Der Autor berücksichtigt dabei intensiv politikwissenschaftliche Fragestellungen. Dass es Leser aus unserem Fach trotzdem nicht einfach haben werden, liegt vor allem daran, dass die Dissertation letztlich eben keine politikwissenschaftliche, sondern eine sinologische Arbeit ist. Damit setzt der Autor vieles voraus, was bei einem fachfremden Leser kaum vorhanden sein dürfte. Aber das ist ja kaum seine Schuld, und wer sich hiervon nicht abschrecken lässt, erfährt viel über die wichtigen und folgenreichen theoretischen Diskurse in einem in Deutschland kaum bekannten Zeitraum eines kaum bekannten Landes.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.685.34 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Thomas Fröhlich: Staatsdenken im China der Republikzeit (1912-1949) Frankfurt a. M./New York: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12630-staatsdenken-im-china-der-republikzeit-1912-1949_15097, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 15097 Rezension drucken
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