/ 12.06.2013
Clemens Kauffmann
Strauss und Rawls. Das philosophische Dilemma der Politik
Berlin: Duncker & Humblot 2000 (Beiträge zur Politischen Wissenschaft 117); XIV, 399 S.; 75,67 €; ISBN 3-428-09613-4Politikwiss. Habilitationsschrift Regensburg; Gutachter: R. Hofmann, H. Ottmann, M. Schmitz. - Auf den ersten Blick würde wohl kaum jemand Strauss und Rawls in einem Atemzug als vergleichbare Denker nennen - und genau hier liegt für Kauffmann das Problem. Beide sind nach ihm sokratische Vordenker liberaler Demokratie, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen. Auch für Rawls konstatiert Kauffmann einen dezidierten Sokratismus, der aber von der Literatur kaum aufgegriffen werde (221 ff.). Strauss abe...
Clemens Kauffmann
Strauss und Rawls. Das philosophische Dilemma der Politik
Berlin: Duncker & Humblot 2000 (Beiträge zur Politischen Wissenschaft 117); XIV, 399 S.; 75,67 €; ISBN 3-428-09613-4Politikwiss. Habilitationsschrift Regensburg; Gutachter: R. Hofmann, H. Ottmann, M. Schmitz. - Auf den ersten Blick würde wohl kaum jemand Strauss und Rawls in einem Atemzug als vergleichbare Denker nennen - und genau hier liegt für Kauffmann das Problem. Beide sind nach ihm sokratische Vordenker liberaler Demokratie, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen. Auch für Rawls konstatiert Kauffmann einen dezidierten Sokratismus, der aber von der Literatur kaum aufgegriffen werde (221 ff.). Strauss aber sei zu Unrecht in den Geruch konservativer, geradezu antidemokratischer Gesinnung gekommen. Seine methodische Vorgehensweise, die häufig kritisch gegen eine sich empirisch verstehende Politikwissenschaft gerichtet war, wurde umgekehrt von den Strauss-Kritikern dazu genutzt, sein Werk abzutun. Anders bei Rawls. Hier glaubt Kauffmann ähnliche methodologische Probleme zu sehen, die aber von der Kritik nicht aufgegriffen worden seien. Hinter der unterschiedlichen Behandlung der beiden Denker durch die Politikwissenschaft liege eine bewusste politische Absicht verborgen. Kauffmanns Arbeit, die intensiv die Bezüge zur klassischen Philosophie wie auch zur zeitgenössischen Debatte herausarbeitet, ist nicht unbedingt "gegen" Rawls gerichtet, sondern eher für Strauss, den er als ungerechtfertigt Verdrängten und beinahe Denunzierten auffasst.
Inhaltsübersicht: A. Die Macht der Methode; B. Politische Wissenschaft: I. Politische Philosophie im Blick der Wissenschaft; II. Das historische Dilemma der "neuen Wissenschaft"; III. Der erkenntnistheoretische und der hermeneutische Horizont; IV. Die moralischen und politischen Grundlagen der Moderne. C. Politische Philosophie: I. Exoterische Literatur in der Philosophie; II. Xenophons sokratische Philosophie; III. Humanität und Tyrannis; IV. Politische Philosophie bei Leo Strauss. D. Politischer Liberalismus: I. John Rawls' exoterischer Liberalismus; II. Politische Metaphern; III. Politische Philosophie bei John Rawls; IV. Die Moral der Mäßigung.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Clemens Kauffmann: Strauss und Rawls. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13267-strauss-und-rawls_15897, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15897
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA