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/ 11.06.2013
Karla Müller-Tupath

Verschollen in Deutschland. Das heimliche Leben des Anton Burger, Lagerkommandant von Theresienstadt. Mit einem Vorwort von Simon Wiesenthal

Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2000; 199 S.; ISBN 3-7466-8048-4
Burger, SS-Obersturmführer aus dem "Sonderstab Eichmann" im Reichssicherheitshauptamt, der sich mit der Organisation der umfassenden Deportation der europäischen Juden in die Vernichtungslager befasste, war in den Jahren 1943 und 1944 als Kommandant des Konzentrationslagers Theresienstadt verantwortlich für die Deportation von mehr als 10000 Juden nach Auschwitz, später in Brünn und Athen für die Durchführung der "Judentransporte" aus Südosteuropa. Bei Kriegsende festgenommen und interniert, flo...
Karla Müller-Tupath

Verschollen in Deutschland. Das heimliche Leben des Anton Burger, Lagerkommandant von Theresienstadt. Mit einem Vorwort von Simon Wiesenthal

Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag 2000; 199 S.; 15,90 DM; ISBN 3-7466-8048-4
Burger, SS-Obersturmführer aus dem "Sonderstab Eichmann" im Reichssicherheitshauptamt, der sich mit der Organisation der umfassenden Deportation der europäischen Juden in die Vernichtungslager befasste, war in den Jahren 1943 und 1944 als Kommandant des Konzentrationslagers Theresienstadt verantwortlich für die Deportation von mehr als 10000 Juden nach Auschwitz, später in Brünn und Athen für die Durchführung der "Judentransporte" aus Südosteuropa. Bei Kriegsende festgenommen und interniert, floh der von einem Auslieferungsersuchen der tschechoslowakischen Justiz bedrohte Burger 1947 und tauchte unter, wurde mehrfach wieder festgenommen, bevor er 1951 endgültig verschwand, ohne den deutschen Sprachraum je zu verlassen. Die Autorin schildert sowohl diese von der Karriere im NS-Staat bestimmte Phase im Leben Burgers wie auch - durchaus mit dem Anspruch, stellvertretend für viele ähnliche Fälle zu sprechen - die Umstände seiner Flucht und seines Abtauchens, soweit diese sich haben rekonstruieren lassen. So standen die 50er-Jahre im Zeichen der Etablierung einer Tarnidentität durch die legale Beschaffung von Papieren, Arbeitsstelle und Wohnung. Von 1961 bis zu seinem Tod Ende 1991 lebte Burger unter dem Decknamen Wilhelm Bauer unbehelligt in Essen und hielt während dieser Zeit auch den Kontakt zu mehreren Familienmitgliedern und früheren Truppenkameraden beziehungsweise Arbeitskolleginnen aufrecht. Deren Befragung führte schließlich bis 1994 - unter maßgeblicher Beteiligung des Wiener Dokumentationszentrums für NS-Verbrechen - zur Entdeckung der Tarnidentität des inzwischen verstorbenen NS-Täters und damit zum Abschluss der letzten offenen Akte über einstige Mitglieder des "Eichmann-Stabes".
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.352.3122.313 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Karla Müller-Tupath: Verschollen in Deutschland. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12210-verschollen-in-deutschland_14578, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 14578 Rezension drucken
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