/ 11.06.2013
Jochen K. Schütze
Vom Fremden
Wien: Passagen Verlag 2000 (Passagen forum); 108 S.; 14,32 €; ISBN 3-85165-441-2Es handelt sich um einen Essay über die Bedeutung des Fremden als unentbehrlicher Orientierungspunkt für die Formierung der eigenen "Ich/Wir-Identität". Ohne die Begegnung mit dem Anderen wäre der Bezug auf das Eigene undenkbar. Darum brauchten die aufgehenden nationalstaatlichen Gesellschaften im 19. Jahrhundert, so Schütze, ein klares Bild vom Fremden und deswegen wurde die Verwischung dieses Bildes durch Migration oder Integration als eine existenzbedrohende Situation empfunden. "In diesem Mo...
Jochen K. Schütze
Vom Fremden
Wien: Passagen Verlag 2000 (Passagen forum); 108 S.; 14,32 €; ISBN 3-85165-441-2Es handelt sich um einen Essay über die Bedeutung des Fremden als unentbehrlicher Orientierungspunkt für die Formierung der eigenen "Ich/Wir-Identität". Ohne die Begegnung mit dem Anderen wäre der Bezug auf das Eigene undenkbar. Darum brauchten die aufgehenden nationalstaatlichen Gesellschaften im 19. Jahrhundert, so Schütze, ein klares Bild vom Fremden und deswegen wurde die Verwischung dieses Bildes durch Migration oder Integration als eine existenzbedrohende Situation empfunden. "In diesem Moment tritt der Rassismus auf den Plan" (21), denn wenn der Gegenspieler an Bedeutung zu verlieren droht, werde man sich seiner eigenen Bedeutungslosigkeit bewusst. So stellen die Bilder des Fremden beziehungsweise des eigenen "Ich" in diesem Buch die beiden Seiten derselben sozialen Konstruktion dar: Jede neue Form der Selbstinszenierung bedeutet einen gestiegenen Bedarf an Fremden und umgekehrt reflektieren die ansteigende Überfremdung oder die massiven Globalisierungstendenzen auf das eigene Selbstbild und erfordern eine neue Identitätsdefinition. Die Entdeckung der genetischen Codes wird am Schluss als Beispiel für die größte, weil auch letzte Herausforderung für diese Konstruktion vorgeführt: "Mit dem Wissen über die im genetischen Code restlos objektivierten Unterschiede sind wir in der Lage, die Differenz, die unserem aktuellen Denken zufolge uns und die Anderen produziert, selbst in die Hand zu nehmen" (96 f.).
Deliana Popova (DP)
Dipl.-Politologin.
Rubrizierung: 2.23 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Deliana Popova, Rezension zu: Jochen K. Schütze: Vom Fremden Wien: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12984-vom-fremden_15558, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15558
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Dipl.-Politologin.
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