/ 11.06.2013
Brot für die Welt (Hrsg.)
Von Gen-Piraten und Patenten. Verfaßt von Beate Wörner
Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel 2000 (WeltThemen 1); 100 S.; pb., 7,16 €; ISBN 3-86099-201-5Unter den vielen modernen naturwissenschaftlichen Errungenschaften, deren Konsequenzen sowohl die Lebensgrundlagen der Menschheit als auch die soziale Ordnung ganzer Staaten massiv bedrohen können, steht die Gen-Technologie an vorderster Stelle. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms scheint auf direktem Weg zu der Möglichkeit künstlicher Herstellung von menschlichem Leben zu führen. Weit realer als diese Zukunftsvision ist jedoch schon seit Jahren ein anderer Prozess: Immer mehr Biomateria...
Brot für die Welt (Hrsg.)
Von Gen-Piraten und Patenten. Verfaßt von Beate Wörner
Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel 2000 (WeltThemen 1); 100 S.; pb., 7,16 €; ISBN 3-86099-201-5Unter den vielen modernen naturwissenschaftlichen Errungenschaften, deren Konsequenzen sowohl die Lebensgrundlagen der Menschheit als auch die soziale Ordnung ganzer Staaten massiv bedrohen können, steht die Gen-Technologie an vorderster Stelle. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms scheint auf direktem Weg zu der Möglichkeit künstlicher Herstellung von menschlichem Leben zu führen. Weit realer als diese Zukunftsvision ist jedoch schon seit Jahren ein anderer Prozess: Immer mehr Biomaterial wird zum Patent angemeldet und damit zum Profit maximierenden Wirtschaftsgut. Pflanzen, die die Menschen in den Entwicklungsländern seit Jahrhunderten angebaut haben, werden so mit einem Federstrich Eigentum eines Saatgutkonzerns. Manche dieser Firmen treiben das Spiel so weit, Saatgut vertreiben zu wollen, das die daraus entstehenden Pflanzen nicht mehr reproduktionsfähig macht. Die Bauern wären also für jede Ernte gezwungen, wieder neues Saatgut zu kaufen. Besonders in den Entwicklungsländern würde dies auf eine Art neuer Sklavenhaltung hinauslaufen. Die Verfasserin zählt eine Fülle von Beispielen für den verhängnisvollen Prozess der Patentierung von Biomaterial auf, der durch seine ökonomisch im höchsten Maße destabilisierenden Konsequenzen auch erhebliche politische Folgen haben könnte. Das Buch soll deshalb "zum Widerstand ermutigen gegen eine Entwicklung, die die Ärmsten der Armen in den Ruin treibt und weltweit ungerechte Machtverhältnisse schafft" (7).
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.45
Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Brot für die Welt (Hrsg.): Von Gen-Piraten und Patenten. Frankfurt a. M.: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13097-von-gen-piraten-und-patenten_15691, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15691
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M. A., Politikwissenschaftler.
CC-BY-NC-SA