/ 11.06.2013
Pino Arlacchi
Ware Mensch. Der Skandal des modernen Sklavenhandels
München/Zürich: Piper 1999; 215 S.; ISBN 3-492-04245-7"Sklaverei ist die vollständige Verknechtung des Menschen mit dem Ziel, ihn auf vielfältige Art auszubeuten." (13) Mit dieser eingangs formulierten, ebenso klaren wie umfassenden Definition umreißt der Autor den Gegenstand seiner Untersuchung: In vier Hauptteilen behandelt er die historischen und die heutigen Erscheinungsformen der Sklaverei, von der gesellschaftlich legitimierten Sklavenhaltung in der europäischen Antike bis hin zum globalen Menschenhandel als "Branche" der organisierten Krimin...
Pino Arlacchi
Ware Mensch. Der Skandal des modernen Sklavenhandels
München/Zürich: Piper 1999; 215 S.; geb., 36,- DM; ISBN 3-492-04245-7"Sklaverei ist die vollständige Verknechtung des Menschen mit dem Ziel, ihn auf vielfältige Art auszubeuten." (13) Mit dieser eingangs formulierten, ebenso klaren wie umfassenden Definition umreißt der Autor den Gegenstand seiner Untersuchung: In vier Hauptteilen behandelt er die historischen und die heutigen Erscheinungsformen der Sklaverei, von der gesellschaftlich legitimierten Sklavenhaltung in der europäischen Antike bis hin zum globalen Menschenhandel als "Branche" der organisierten Kriminalität in der Gegenwart. Im ersten Teil, "Sklaven und Sklaverei", skizziert er die weltanschaulichen Begründungen der Sklavenhaltung als gesellschaftlicher Institution während der griechischen und römischen Antike sowie in den Feudalgesellschaften des Mittelalters. Der zweite Teil "Die zwiespältige Lösung der Übergangszeit" verfolgt die neuzeitliche Debatte über die ethische und politische Fragwürdigkeit der Sklaverei im Kontext ökonomischer Interessen, die insbesondere bei den Eroberungen und der anschließenden Ausbeutung "kolonialisierter" Territorien durch die europäischen Staaten und die USA vielfach im krassen Widerspruch zur Abschaffung der Sklaverei in Europa selbst standen. Den Abschluss dieses Teils bildet eine Darstellung der Rückkehr der Sklaverei nach Europa in Form der staatlich organisierten Zwangsarbeit unter den totalitären Diktaturen, allen voran das System der "Vernichtung durch Arbeit" im deutschen NS-Staat. Die beiden folgenden Teile setzen sich unter den Titeln "Die sexuelle Versklavung" beziehungsweise "Die ökonomische Versklavung" mit heutigen Erscheinungsformen der Sklaverei auseinander. Hier stützt sich der Autor auf seine als Leiter der Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung der Vereinten Nationen gewonnenen Erkenntnisse über den weltumspannend organisierten Menschenhandel, über Zwangsprostitution, Schleppernetzwerke und die vielfältige Wiederentstehung von Schuldknechtschaft und organisierter Kinderarbeit in den so genannten Billiglohnländern der "Dritten Welt".
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 4.42 | 4.45
Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Pino Arlacchi: Ware Mensch. München/Zürich: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/13067-ware-mensch_15656, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 15656
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
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