/ 22.06.2013
Jeremy Rifkin
Die empathische Zivilisation. Wege zu einem globalen Bewusstsein. Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff, Waltraud Götting und Xenia Osthelder
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010; 468 S.; 26,90 €; ISBN 978-3-593-38512-9Rifkin erhebt den Anspruch, die Zivilisationsgeschichte neu zu erzählen. Dabei konzentriert er seine Erzählung auf die Entwicklung der Empathie und damit auf ein relativ junges Konzept der Verhaltensforschung, der Psychologie und der Soziologie. In der Politikwissenschaft spielt das Thema bisher allenfalls in der Leadership-Forschung eine Rolle. Rifkin beschreibt ein „Paradox der Menschheitsgeschichte“ (363): Dass die Hälfte der Menschheit mehr verbrauche, als für ein auskömmliches Leben nötig sei, und immer unglücklicher werde, je reicher sie werde, und die „andere Hälfte der Menschheit [...] mehr oder weniger verzweifelt um einen Weg aus der Armut“ (370) kämpfe und dabei Glück empfinde, „wenn sie einen minimalen Lebensstandard erreicht“ (370) habe. Rifkin setzt einer Zivilisation, die durch einen immer höheren Energieverbrauch, einen Kampf um viele weitere Ressourcen und zahlreiche Bedrohungen (atomar, klimatisch, genetisch manipulierte Krankheitserreger) geprägt sei und die Welt an einen „entopischen Abgrund“ (350) geführt habe, die Idee einer von Empathie durchzogenen Gesellschaft entgegen. Anstelle einer kämpferischen Geopolitik, in der nur die Fittesten überleben, bevorzugt der Bestsellerautor eine empathische, „biosphärische Welt“ (423), die auf der Vorstellung gründet, „dass die Erde wie ein lebender Organismus funktioniert“ (423). Es ist die alte Idee aus dem Neuen Testament, die zu Wohlstand und Frieden auf der Welt führen soll. Aber weder Jesus’ Menschenliebe noch Golemans Emotionale Intelligenz konnten sich bisher gegen Machtpolitik und Aggression, Eigennutz und Zerstörungswille in einer entropischen Zivilisation durchsetzen. Vielleicht hat Rifkin mit seinem Appell für ein globales Bewusstsein mehr Erfolg. Und alles würde gut: „Die neue Ära des dezentralisierten Kapitalismus ermöglicht es uns, einen neuen Weg der Globalisierung zu beschreiten: von unten nach oben, weitgehend emissionsfrei, gestützt auf regenerative und regional gewonnene Energien, aber weltweit vernetzt“. (424) Das ist schön erzählt, sehr spekulativ und von sehr begrenztem wissenschaftlichem Wert.
Armin König (AK)
Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
Rubrizierung: 2.2
Empfohlene Zitierweise: Armin König, Rezension zu: Jeremy Rifkin: Die empathische Zivilisation. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31978-die-empathische-zivilisation_38134, veröffentlicht am 28.04.2010.
Buch-Nr.: 38134
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Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
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