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/ 21.06.2013

Die Grass-Debatte

Britta Gries

Die Grass-Debatte. Die NS-Vergangenheit in der Wahrnehmung von drei Generationen

Marburg: Tectum Verlag 2008; 216 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9666-6
Im Kontext der anhaltenden Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer NS-Vergangenheit untersucht die Autorin die Grass-Debatte des Jahres 2006, die durch das Bekenntnis des Literaturnobelpreisträgers, kurzzeitig Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, heftig und polemisch geführt wurde. Gries fragt, wie es zu einer solchen Heftigkeit kommen konnte und analysiert die möglichen Beweggründe von Zeitzeugen-, 68er- und Enkelgeneration anhand eines Drei-Generationen-Modells, um abschließend die Grass...
Britta Gries

Die Grass-Debatte. Die NS-Vergangenheit in der Wahrnehmung von drei Generationen

Marburg: Tectum Verlag 2008; 216 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9666-6
Im Kontext der anhaltenden Auseinandersetzung der Deutschen mit ihrer NS-Vergangenheit untersucht die Autorin die Grass-Debatte des Jahres 2006, die durch das Bekenntnis des Literaturnobelpreisträgers, kurzzeitig Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, heftig und polemisch geführt wurde. Gries fragt, wie es zu einer solchen Heftigkeit kommen konnte und analysiert die möglichen Beweggründe von Zeitzeugen-, 68er- und Enkelgeneration anhand eines Drei-Generationen-Modells, um abschließend die Grass-Debatte einer kritischen Diskursanalyse zu unterziehen. Zu Beginn zeichnet Gries das Schweigen der sogenannten Flakhelfer-Generation bis Ende der 50er-Jahre nach. Erst dann beginnt ein zunehmend öffentlicher Diskurs, der von deren Kindern, den 68ern, schließlich radikalisiert wird. Dabei erweist sich auch, dass die Enkelgeneration in der Auseinandersetzung um die Diskursherrschaft mit weitaus weniger Schärfe zu Werke geht als die vorigen Generationen. So war die öffentlich Debatte als Skandal einer Enthüllung auch eine Medieninszenierung. Die aktivsten Teilnehmer der Debatte, stellt Gries fest, entstammten der Zeitzeugen-Generation. Schließlich handele es sich um ihr „Lebensthema“ (161), in dessen Kontext sie die Erinnerungskultur und ritualisierte Kommunikationskultur der Erinnerung geprägt hätten. Überraschend sei, dass die ansonsten so kritischen 68er eher zurückhaltend gewesen seien. Für die Verfasserin ist dies ein Zeichen, „dass die Instrumentalisierung der persönlichen Verstrickung mit dem NS-System [...] für die einstigen Rebellen kein adäquates Mittel mehr zur Diskreditierung darstellt“ (162). Gleiches hält Gries auch für die Enkelgeneration fest, die sich von der Debatte fast völlig ferngehalten habe und für die die NS-Vergangenheit ein abgeschlossenes Thema darstelle, das von Fragen der Gegenwart überlagert werde.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Britta Gries: Die Grass-Debatte. Marburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29469-die-grass-debatte_34886, veröffentlicht am 07.10.2008. Buch-Nr.: 34886 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA