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/ 21.06.2013
Nils Hesse

Managerentlohnung und die Reformbereitschaft der Bevölkerung. Ein Beitrag zur politischen Ökonomie sozialer Präferenzen

Marburg: Metropolis-Verlag 2008 (Hochschulschriften 126); 290 S.; 38,- €; ISBN 978-3-89518-708-7
Diss. Freiburg i. Br.; Gutachter: B. Neumärker. – Zeitungskommentare und Sonntagsredner weisen seit Jahren auf einen negativen Zusammenhang zwischen der Gehaltshöhe von Topmanagern und der Unterstützung schmerzhafter Reformen in der Bevölkerung hin. Wissenschaftlich erwiesen ist dies bisher nicht. In der betriebswirtschaftlichen Literatur spielt die Außenwirkung von Gehaltsabschlüssen kaum eine Rolle. Der Autor erweitert die Theorien der politischen Ökonomie deshalb um soziale Präferenzen und weist auf der Basis einer gesellschaftlichen Momentaufnahme in Form von Umfragedaten des Sozio-ökonomischen Panels sowie eines Experiments („Geschenk-Austausch-Spiel“) negative Korrelationen zwischen Managerentlohnung und Reformbereitschaft auf betrieblicher und gesamtgesellschaftlicher Ebene nach. Hesse zeigt, dass die für ein Unternehmen optimale Managerentlohnung aufgrund der Sanktionsmöglichkeiten der Arbeitnehmer (Konsumentscheidungen, Wahlen, Lohnverhandlungen, Arbeitseinsatz) auch von deren Gerechtigkeitsempfinden abhängt. Er folgt dabei aber keinen normativen Argumentationen, sondern weist auf Defizite der klassischen Wirtschaftstheorien hin. So hat nicht jede Reform zwangsläufig eine ungerechte Umverteilung zur Folge. „Genau so wenig wie Verfechter einer hohen und anreizorientierten Entlohnung beweisen können, dass hohe Managerlöhne wirksam den Shareholder Value erhöhen, kann die verhaltensrelevante Auswirkung von Managerlöhnen exakt bestimmt werden“ (253). Hesse beschließt seine Arbeit mit konkreten Handlungsempfehlungen. Der Staat könne mittels Gehälterdeckelungen nur wenig ausrichten. Als Beleg führt er Bill Clintons „1 Mio. $ Cap“ an. Ob Kodizes und Selbstverpflichtungen der Wirtschaft ausreichen werden, um empörte Bürger zu beruhigen, wie der Autor vorschlägt, darf freilich bezweifelt werden. Insgesamt liefert Hesse einen angenehm unaufgeregten Beitrag zu einer hitzig geführten Debatte.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.3312.35 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Nils Hesse: Managerentlohnung und die Reformbereitschaft der Bevölkerung. Marburg: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29755-managerentlohnung-und-die-reformbereitschaft-der-bevoelkerung_35240, veröffentlicht am 07.11.2008. Buch-Nr.: 35240 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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