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/ 20.06.2013
Hans Karl Rupp

Politik nach Auschwitz. Ausgangspunkte, Konflikte, Konsens. Ein Essay zur Geschichte der Bundesrepublik

Münster: Lit 2005 (Texte zu Politik und Zeitgeschichte 5); 193 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 3-8258-7129-0
„Welche Veränderungen hat die bundesdeutsche ‚Aufarbeitung der Vergangenheit’ bisher induziert? Was hat die demokratisch legitimierte Politik versucht und was sind ihre Ergebnisse? Ist die deutsche Gesellschaft fähig, sich zu einer anderen Gesellschaft, zu einer weniger kriegerischen, zu einer weltoffeneren, kurz: zu einer Menschenrechts-Gesellschaft zu entwickeln?“ (5) Dies sind die Fragen, denen Rupp in seinem Essay zur bundesrepublikanischen Nachkriegspolitik und -geschichte nachgeht. Das Ergebnis ist ein Gewaltmarsch auf gut hundert Seiten durch sechzig Jahre Auseinandersetzung um die nationalsozialistische Vergangenheit. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit behandelt Rupp wichtige Etappen der Vergangenheitsbewältigung, wie die Integration ehemaliger Parteimitglieder in die neue demokratische Elite, die Debatten um die Aufhebung der Verjährungsfrist für Mord im Dienste des NS-Regimes, die 68er-Bewegung, den Historikerstreit in den Achtzigern, schließlich die Veränderungen nach der Vereinigung und die Neudefinition der weltpolitischen Rolle Deutschlands in den letzten Jahren. Eine zentrale These des Essays lautet, „daß sich in der heutigen Bundesrepublik im mainstream von Öffentlichkeit und Politik konsensuale Auffassungen herausgebildet haben [...] über die Unvergleichbarkeit der Verbrechen von DDR und NS, [...] über die Singularität der NS-Verbrechen, [...] über die prinzipielle Solidarität mit dem Staat der Überlebenden, Israel, und [...] über die Gebotenheit eines emphatischen Umgangs mit ethnischen und religiösen Minderheiten“ (128 f.). Dieser offizielle Konsens werde aber immer wieder gestört: durch rassistische Gewalttaten, antisemitische Äußerungen in der Öffentlichkeit und schließlich durch die Wahlerfolge rechtsradikaler Parteien. Ergänzt wird der Essay durch einen Exkurs über das Holocaust-Mahnmahl von Jochen Fischer.
Markus Lang (ML)
Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.35 Empfohlene Zitierweise: Markus Lang, Rezension zu: Hans Karl Rupp: Politik nach Auschwitz. Münster: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24072-politik-nach-auschwitz_27709, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 27709 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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