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/ 17.06.2013
Georg Meyer

Adolf Heusinger. Dienst eines deutschen Soldaten 1915 bis 1964. Hrsg. mit Unterstützung der Clausewitz-Gesellschaft und des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes

Hamburg/Berlin/Bonn: Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH 2001; XVI, 972 S.; hardc., 49,90 €; ISBN 3-8132-0769-2
Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, Truppenoffizier in der Weimarer Reichswehr, Generalstabsoffizier in der Wehrmacht, langjähriger Chef der Operationsabteilung im Oberkommando des Heeres und damit vor allem zuständig für den Krieg gegen die Sowjetunion, am 20. Juli 1944 verletzt, wichtiger Zeuge beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, Leiter der militärischen Auswertung in der Organisation Gehlen, dem späteren Bundesnachrichtendienst, Kanzlerberater in Sachen Wiederbewaffnung und Euro...
Georg Meyer

Adolf Heusinger. Dienst eines deutschen Soldaten 1915 bis 1964. Hrsg. mit Unterstützung der Clausewitz-Gesellschaft und des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes

Hamburg/Berlin/Bonn: Verlag E. S. Mittler & Sohn GmbH 2001; XVI, 972 S.; hardc., 49,90 €; ISBN 3-8132-0769-2
Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, Truppenoffizier in der Weimarer Reichswehr, Generalstabsoffizier in der Wehrmacht, langjähriger Chef der Operationsabteilung im Oberkommando des Heeres und damit vor allem zuständig für den Krieg gegen die Sowjetunion, am 20. Juli 1944 verletzt, wichtiger Zeuge beim Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, Leiter der militärischen Auswertung in der Organisation Gehlen, dem späteren Bundesnachrichtendienst, Kanzlerberater in Sachen Wiederbewaffnung und Europäischer Verteidigungsgemeinschaft, erster Generalinspekteur der Bundeswehr, und schließlich der erste deutsche Vorsitzende des höchsten militärischen Ausschusses der NATO, des Military Committee: Heusinger diente in vier Armeen, deren politische Rahmenbedingungen nicht unterschiedlicher hätten sein können, und der Leser geht an die voluminöse Biographie Meyers vor allem mit der Frage heran, wie Heusinger nicht nur seine Karrierebrüche, sondern vor allem die politischen Umbrüche bewältigte. Dass er dies erfolgreich tat, ist unbestritten. Die Basis für Meyers Darstellung bis 1950 bildet vor allem Heusingers Korrespondenz mit seiner Frau. Der Vorteil dieser Quelle liegt auf der Hand: Sie bringt den Menschen Heusinger näher, zeigt ihn im Friedens- wie im Kriegsalltag mit seinen Sorgen, Zweifeln und Seelennöten. Daneben steht allerdings die Detailwut des Autors, der sich - so scheint es - chronologisch von Brief zu Brief hangelt. Meyer präsentiert ein facettenreiches Bild des späteren obersten Bundeswehrsoldaten, aber auch nach mehr als 800 Seiten Text fügt sich nur schwer ein Gesamtbild daraus. Gerade für die ersten dreißig Berufsjahre Heusingers, die den Offizier und Menschen entscheidend prägten, fehlt eine Korrektur der Selbsteinschätzung, die Heusinger in seinen Briefen präsentiert. Oder anders: Heusinger wird durch Meyer gewissermaßen durch sich selbst erklärt. Es hätte der Biographie gut getan, wenn Meyer sich ein wenig von der Person Heusingers gelöst und ihn und sein Tun in das jeweilige Zeitgeschehen eingebettet hätte. Und dennoch: Meyer hat eine wichtige und notwendige Biographie vorgelegt, die zweierlei leistet: einerseits stellt sie einen Beitrag zur Geschichte der Wehrmacht im Nationalsozialismus dar; andererseits erzählt sie in beinahe epischer Breite die Gründungsgeschichte der Bundeswehr, die ohne Heusinger in dieser Form nicht zu denken ist.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Georg Meyer: Adolf Heusinger. Hamburg/Berlin/Bonn: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15700-adolf-heusinger_17904, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17904 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA