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/ 11.06.2013
Johano Strasser

Als wir noch Götter waren im Mai. Erinnerungen

Zürich/München: Pendo Verlag 2007; 353 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-86612-111-9
Strasser versteht sich als aktiver Bürger einer Demokratie und stellt diese Rolle in den Mittelpunkt seiner Autobiografie. Beruflich begann er als Übersetzer, studierte Philosophie, habilitierte 1977 in Politikwissenschaft, trat 1975 der Grundwertekommission der SPD bei, ist Präsident des deutschen P.E.N.-Zentrums und freier Publizist. Er verbindet die Schilderung seines Lebensweges mit Reflexionen über Staat und Gesellschaft. Seine erklärte Absicht ist zu zeigen, dass „politisches Engagem...
Johano Strasser

Als wir noch Götter waren im Mai. Erinnerungen

Zürich/München: Pendo Verlag 2007; 353 S.; geb., 19,90 €; ISBN 978-3-86612-111-9
Strasser versteht sich als aktiver Bürger einer Demokratie und stellt diese Rolle in den Mittelpunkt seiner Autobiografie. Beruflich begann er als Übersetzer, studierte Philosophie, habilitierte 1977 in Politikwissenschaft, trat 1975 der Grundwertekommission der SPD bei, ist Präsident des deutschen P.E.N.-Zentrums und freier Publizist. Er verbindet die Schilderung seines Lebensweges mit Reflexionen über Staat und Gesellschaft. Seine erklärte Absicht ist zu zeigen, dass „politisches Engagement nicht, wie heute vielfach angenommen wird, Zeitvergeudung oder gar Lebensverfehlung ist, sondern zu einem vollständigen und erfüllten Leben gehört“ (25). Interessant zu lesen sind die Beschreibungen des inneren Zustands der SPD in den sechziger und siebziger Jahren, als es eine rebellische Jugend aufzunehmen galt – worauf die Partei weder inhaltlich noch organisatorisch vorbereitet war. In der Rückschau erinnert sich Strasser zwar geradezu vergnügt daran, wie er 1972 in einem Wahlkampfspot der CDU als Bürgerschreck präsentiert wurde. Undifferenzierte Sichtweisen aber ärger(te)n ihn, der nie radikal war – auch später, etwa nach 1989 in den Diskussionen über die Frage, ob und was vom Sozialismus bleibt. Viele hätten sich nicht mehr die Mühe gegeben, zwischen dem Staatssozialismus der DDR und dem demokratischen Sozialismus der SPD zu unterscheiden, „womit sie ironischerweise den Monopolanspruch auf die Definition dessen, was Sozialismus sei, den die Kommunisten in ihrer Anmaßung seit Lenin immer erhoben hatten, gewissermaßen posthum bestätigten“ (268). Aktuelle Fragen zu den Stichworten Globalisierung, Europa und neue Weltordnung streift Strasser kurz, ausführlicher schreibt er über die Menschenrechtsarbeit des P.E.N. und den Einsatz für verfolgte Schriftsteller. Insgesamt ist seine Autobiografie ein kurzweiliger Streifzug durch den sozialdemokratischen Teil der westdeutschen politischen Kulturgeschichte.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Johano Strasser: Als wir noch Götter waren im Mai. Zürich/München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9559-als-wir-noch-goetter-waren-im-mai_32452, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32452 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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